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Alarm am Zapfhahn! Brauer sehen Gefahr für Bier

VonRasmus Buchsteiner

Deutschlands Bierbrauer schalten sich in den Streit über Gasförderung ein. Ist durch Fracking die Sicherheit der Trinkwasser- versorgung gefährdet?

Berlin.Gerade erst hatte sich die schwarz-gelbe Koalition auf strengere Regeln für das umstrittene Gas-Fracking geeinigt – da schlagen Deutschlands Bierbrauer Alarm und sehen das Reinheitsgebot von 1516 in Gefahr. Es dränge sich der Eindruck auf, „dass eine gesetzliche Regelung übers Knie gebrochen werden soll“, heißt es in einem Brandbrief des Deutschen Brauer-Bundes an sechs Mitglieder des Bundeskabinetts – von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) bis hin zu Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).
Die bisher vorgesehenen Gesetzesänderungen würden nicht ausreichen, „um die erforderliche Sicherheit für die Trinkwasserversorgung sicherzustellen und den Anforderungen an das Reinheitsgebot für Bier Rechnung zu tragen“, heißt es in dem Schreiben. Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bundes, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle das Thema Fracking und den Schutz des Reinheitsgebotes zur Chefsache machen.
Nach dem deutschen Reinheitsgebot darf Bier lediglich Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten. Und die Qualität des Wassers sehen die Brauer nun durch Fracking-Chemikalien gefährdet. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als wolle die Koalition die neuen Regelungen zur Schiefergasgewinnung noch vor der Bundestagswahl auf den Weg bringen.
Nicht nur die Bierbrauer fürchten verseuchtes Trinkwasser wegen des Einsatzes giftiger Chemikalien zur Gewinnung von Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten. Vergangene Woche hatten die Experten der schwarz-gelben Koalitionsfraktionen einen Kompromiss ausgehandelt: Anders als ursprünglich geplant soll Fracking demnach nicht nur in Wasserschutzgebieten verboten werden, sondern nun auch im Einzugsgebiet von Trinkwasserseen. Ein weitergehendes Verbot scheiterte am Widerstand der FDP.
Kippt das Gesetz noch? Oder kommt es im Parlaments-Endspurt vor Sommerpause und Bundestagswahl doch noch zu einer Entscheidung? „Der Ball liegt jetzt bei den Fraktionen“, hieß es aus dem Bundesumweltministerium. Doch selbst, wenn der Bundestag das Gesetz noch mit Koalitionsmehrheit auf den Weg bringt: Unter Dach und Fach wäre es damit noch lange nicht. Im Bundesrat könnten die neuen Regelungen am Ende scheitern.

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