Nordkurier.de

Autobranche schürt Angst vor Jobabbau

Im Streit um Klimaschutzregeln der EU bittet die Autobranche die Bundeskanzlerin persönlich um Hilfe.  FOTO: Alexander Rüsche
Im Streit um Klimaschutzregeln der EU bittet die Autobranche die Bundeskanzlerin persönlich um Hilfe. FOTO: Alexander Rüsche

VonAndreas Hoenig

In der EU wird um schärfere CO2-Grenzwerte für Autos gerungen. Aus deutscher Sicht könnte das große Nachteile für deutsche Oberklasse-Hersteller bedeuten und Jobverluste.

Berlin.Kurz vor dem Beginn entscheidender Verhandlungen kämpft die deutsche Autobranche gegen schärfere CO2-Grenzwerte der EU. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, bat in einem Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Hilfe. Wissmann warnte in dem Schreiben vom 8. Mai vor „überzogenen“ CO2-Regulierungen in Europa sowie indirekt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Über den Brief hatte zuvor die
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.
Wissmann schrieb in dem Brief an die „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela“, es dürfe nicht sein, dass „wir unser leistungsfähiges und starkes Premiumsegment, das fast 60 Prozent der Arbeitsplätze unserer Automobilhersteller in Deutschland ausmacht, über willkürlich gesetzte Grenzwerte buchstäblich kaputt regulieren lassen“. Der frühere Bundesverkehrsminister bat Merkel, sich für Verbesserungen einzusetzen, um die Regulierung „in eine ökologische und ökonomische Balance zu bringen.“ Die deutsche Automobilindustrie hat in Deutschland rund 750 000 Beschäftigte.
Hintergrund für den Brief sind Verhandlungen über mögliche neue, schärfere CO2-Grenzwerte. Heute gibt es eine erste Gesprächsrunde von Vertretern der EU-Staaten, des EU-Parlaments sowie der EU-Kommission. Die irische EU-Ratspräsidentschaft will eine Einigung bis Ende Juni. Nach den bisherigen Plänen soll der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in der EU bis zum Jahr 2020 auf im Durchschnitt 95 Gramm je Kilometer für die Neuwagenflotte der Hersteller sinken. Das entspricht rund vier Litern Benzinverbrauch. Derzeit gilt ein Zielwert von 130 Gramm.
Der Vorstoß träfe aus deutscher Sicht besonders die Oberklasse-Hersteller wie BMW, Audi und Mercedes. Denn sie verkaufen im Durchschnitt größere und deshalb auch schwerere Autos als Konkurrenten, die vor allem Kleinwagen herstellen. Entsprechend müssten die deutschen Hersteller ihren CO2-Ausstoß mehr senken.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×