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Crew am Pannen-Flughafen muss sich zusammenraufen

„Es geht darum, die letzten drei Prozent Funktionalität herzustellen“, sagt Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, über den aktuellen Stand der Arbeiten am Brandschutz für den Hauptstadtflughafen BER.
„Es geht darum, die letzten drei Prozent Funktionalität herzustellen“, sagt Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, über den aktuellen Stand der Arbeiten am Brandschutz für den Hauptstadtflughafen BER.

Am Flugsteig B12 haben sie die Wartebänke für Passagiere erst mal wieder weggeschafft. Stattdessen: Baupläne, Computer, Schreibtische. Hier will der Chef des Hauptstadtflughafens Hartmut Mehdorn mit seiner Mannschaft endlich Tempo machen. Ein Jahr nachdem der Start des „modernsten Flughafens Europas“ spektakulär am 8. Mai platzte, hat der 70-Jährige im Terminal-Erdgeschoss sein „Powerhouse“ aufgemacht.

Jeden Morgen um 9 Uhr kommen die Führungskräfte in einer Konferenz zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Am Jahrestag der peinlichen Absage nur vier Wochen vor dem Start trifft sich der Flughafen-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung. Dabei soll der neue Posten eines Finanzgeschäftsführers geschaffen und die Ökonomin Heike Fölster eingestellt werden.

"Schrittweise Inbetriebnahme"

Viel spannender ist jedoch, was die Kontrolleure von Mehdorns jüngsten Plänen halten. Der streitbare Manager hat sich dafür entschieden, den Flughafen in Etappen zu öffnen. Bis August will er sagen, wann es losgeht. „Sicherlich ist es so, dass wir da nicht warten, bis irgendwo so ’n Türchen aufgeht am 24. Dezember, und dann liegt der kleine Flughafen in der Krippe, sondern es wird eine schrittweise Inbetriebnahme geben“, sagte Mehdorn. Das Machbare solle gemacht werden. „Wir müssen nicht alle an einem Tag umziehen.“

Mit den Fluggesellschaften will Mehdorn die Details absprechen, wer zuerst einen Teil des neuen Terminals nutzen darf, und wer später aus Tegel oder dem benachbarten Schönefeld folgt, den beiden bisherigen Flughäfen. Nach Medienberichten könnte eine Airline schon im Frühjahr 2014 in den Nordflügel einziehen – sofern die Behörden dort den Brandschutz genehmigen, an dessen Mängeln die Abnahme des gesamten Gebäudes gescheitert ist.

Doch auch der Aufsichtsrat mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) an der Spitze muss Mehdorns Idee gut finden. Seit der Terminabsage bestimmten politische Rangeleien, Schuldzuweisungen und Eitelkeiten das Bild. Auf der Baustelle tat sich wenig, seit Monaten ist sie für die Öffentlichkeit weitgehend unter Verschluss. „Sicherheit hat Vorrang“ – mit diesen Worten hatte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Verschiebung auf unbestimmte Zeit verteidigt. Später stellte sich raus: Es gab etliche Baumängel und Planungsfehler. Unter dem Druck des Eröffnungstermins war auf der Baustelle völliges Chaos ausgebrochen.

Die Kosten haben sich inzwischen verdoppelt

Der Durchblick fehlt weiter. Horst Amann, im August als Hoffnungsträger vom Flughafen Frankfurt geholt, ist noch immer bei der Bestandsaufnahme, öffnet Decken, prüft Kabelstränge, plant um. Die Kosten sind seit Baubeginn auf 4,3 Milliarden Euro und damit das Doppelte angewachsen. Jeder weitere Monat Warten auf den neuen Flughafen kostet bis zu 40 Millionen Euro.

Mehdorn, seit März im Amt, hat Amann inzwischen entmachtet. Der frühere Chef des Großkunden Air Berlin hat abgelöste Architekten zurückgeholt und den von Amann abgesetzten Gesamtprojektleiter rehabilitiert. Als Mehdorn am 1. Mai sein neues Team auf das gemeinsame Ziel einschwört, schweigt Amann, wie Teilnehmer anschließend berichteten.

Immer noch Streit über Nachtflüge

Auch jenseits der Baustelle lief es schlecht für den Flughafen: Bürger kippen per Gericht die Flugroute über den Wannsee und zwingen den Betreiber zu Nachbesserungen beim Schallschutz. Parlamentsausschüsse ergründen, wie Betreiber und Regierungen über Jahre Bürgerinteressen ignorierten, um das Milliardenprojekt durchzudrücken. Berlin und Brandenburg zerstreiten sich heillos über Nachtflüge. Neuer Optimismus ist gefragt.

„Meine wichtigste Aufgabe ist jetzt, das Vertrauen aller an diesem Großprojekt Beteiligten zurückzugewinnen“, schrieb Mehdorn den Beschäftigten an seinem ersten Arbeitstag. „Der Sprint durchs Ziel ist das, was wir vor uns haben.“ Doch auch das geht nur, wenn Brandschutz und Entrauchung funktionieren. „Hier geht es darum, die letzten drei Prozent Funktionalität herzustellen“, sagt Mehdorn.

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