Februar 22, 2012
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Justiz von Georg-Stefan Russew

Dänisches Familiendrama im märkischen Wald

Der Fall war spektakulär und kompliziert zugleich. Nahe der A24 steht ein Auto in Flammen. Auf der Rückbank zwei Kinder, verbrannt bis zur Unkenntlichkeit. Der Vater sagt aus, das Fahrzeug habe einen Defekt. Doch schnell wird klar: Der Däne hat seine Töchter umgebracht. Seit gestern steht er vor Gericht.

Potsdam/Börnicke (nk)  

Blitzlichtgewitter im Potsdamer Landgericht: Nur mit einem weißem Blatt Papier vor dem Gesicht traut er sich in den Gerichtssaal: Der Däne Peter-Thue R. ist des Doppelmordes an seinen Töchter Line Sofie (9) und Marlene Marie (10) angeklagt. Im August vergangenen Jahres soll er die Kinder in einem Waldstück nördlich von Berlin unmittelbar an der Autobahn 24 umgebracht haben. Hintergrund sollen Streitigkeiten um das Sorgerecht mit seiner Ex-Frau gewesen sein. In 13 Verhandlungstagen wird dem 40-Jährigen jetzt vor der Schwur-Gerichtskammer der Prozess gemacht.

Dutzende Journalisten aus dem In- und Ausland drängeln sich im Saal acht des Landgerichts um die besten Plätze. Der erste Prozesstag dauert aber gerade einmal eine halbe Stunde. Wegen einer Erkrankung einer Richterin wird nur die Anklage verlesen. Staatsanwalt Peter Petersen wirft dem Dänen vor, aus niedrigen Beweggründen seine Töchter umgebracht zu haben. Nach einem Aufenthalt in einer Skihalle bei Hamburg soll er den Mädchen das Schlafmittel „Zopiclon“ verabreicht haben. Danach sei er ziellos mit seinem Auto umhergefahren. Nördlich von Berlin habe er die A 24 verlassen, ist in ein Waldstück bei Börnicke (Havelland) gefahren und hat seine schlafenden Kinder mit Benzin übergossen. Später habe er den Wagen angezündet. Line Sofie und Marlene Marie verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Laut Petersen sei dies nur als Mord zu verwerten.


Peter-Thue R. zittert bei der Verlesung der Anklage. Verteidiger Thomas Arndt erklärt, dass sein Mandant die Tat bedauere. „Er wird sich am 1. März zur Sache einlassen“, kündigt Arndt an und „seine ursprüngliche Unfallversion vor Gericht nicht aufrechterhalten.“ Anfangs hatte der 40-Jährige vor Ermittlern davon gesprochen, dass sein Auto einen technischen Defekt hatte und deshalb Feuer fing. Laut Verteidigung hat der Däne ursprünglich geplant, sich zusammen mit den Kindern das Leben zu nehmen. „Als er das Auto angezündet hat, saß er selbst drinnen. Irgendwann war der Selbsterhaltungstrieb aufgrund der Hitze so groß, dass er schwer verletzt aus dem Auto gesprungen ist“, sagt Anwalt Arndt. Der 40-Jährige soll noch versucht haben, seine Kinder aus dem Auto zu befreien.

Als Hintergrund nennt Arndt massive persönliche Probleme seines Mandanten. Weit vor der Tat habe sich Peter-Thue R. wegen mentaler Probleme in psychiatrischer Behandlung befunden. Nach der Trennung von seiner Frau Christina sind ihm die gemeinsamen Kinder zugesprochen worden. Später sei er arbeitslos geworden, hatte Geldsorgen und wollte von Landwirt auf Berufsschullehrer umsatteln. Dafür wollte er umziehen. Das habe seine geschiedene Frau nicht gewollt und vor dem dänischen Jugendamt geklagt. Daraufhin habe sie das vorläufige Sorgerecht erhalten.

Laut Staatsanwaltschaft sei der Däne voll schuldfähig. Das könne ein Gutachten belegen. Verteidiger Arndt möchte aber auch dänische Psychiater, bei denen R. in Behandlung war, vor Gericht hören. „Er hat den Tod der Mädchen verursacht.Die Frage ist jetzt, ob und in welcher Form sie strafrechtlich zu würdigen sind.“

 

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