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Dax-Chefs sprechen eher Kauderwelsch als Klartext

Die Reden der Dax-Chefs bringen laut einer Studie nur selten Licht ins Dunkel.  FOTO: David Ebener
Die Reden der Dax-Chefs bringen laut einer Studie nur selten Licht ins Dunkel. FOTO: David Ebener

VonAnnika Graf

Bandwurmsätze, Fachbegriffe und abstrakte Formulierungen: Die meisten Dax-Chefs glänzen nicht durch klare Sprache. Wenn sie reden, verstehen viele nur Bahnhof.

Stuttgart.Die meisten Dax-Chefs sprechen einer Studie zufolge ein unverständliches Kauderwelsch. Auf einer Skala von 0 bis 10 habe sich die Verständlichkeit der Reden der Firmenchefs gegenüber dem Vorjahr im Schnitt nur von 3,8 auf 4,6 verbessert, wie eine Untersuchung der Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit dem „Handelsblatt“ ergab. Demzufolge waren die Beiträge der Vorstandschefs eher so unverständlich wie Doktorarbeiten (0) und nicht so leicht zu verstehen wie Radio-Nachrichten (10). Das geht aus den Ergebnissen der am Montag veröffentlichten Studie hervor.
Die untersuchten Rede-Manuskripte für die diesjährigen Hauptversammlungen enthielten Bandwurmsätze, abstrakte Begriffe und nicht erklärte Fachbegriffe. Außerdem spickten die Manager ihre Reden mit Wörtern, die beim Scrabble oder Galgenmännchen-Spiel beste Chancen hätten: SAP-Co-Chef Bill McDermott sprach von „Business-to-Business-to-Consumer-Wirtschaft“, Münchner-Rück-Chef Nikolaus von Bombard streute das Wort „Nicht-Leben-Rückversicherungsgeschäft“ ein.
Die unverständlichste Rede hielt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG, Reto Francioni. Er schaffte es, 52 Wörter in einem einzigen Satz unterzubringen. Francioni halbierte damit seinen Wert vom Vorjahr und brachte es nur noch auf 1,3 auf dem Verständlichkeits-Index. Nicht viel besser schnitten Wolfgang Reitzle von der Linde AG (1,4) sowie Post-Chef Frank Appel (1,6) ab.
Siemens-Chef Peter Löscher brachte immerhin 46 Wörter in diesem Satz unter: „Und es ist nicht nur der Ort, an dem unsere eigenen Städteplaner und Technikexperten an Infrastrukturlösungen von morgen arbeiten, sondern es ist eine Plattform für den Austausch zwischen unseren Experten und kommunalen Entscheidern der Städte und dient damit der Anbahnung von Kontakten, Lösungen und künftigem Geschäft.“
Am besten schnitten BASF-Chef Kurt Bock sowie Telekom-Chef René Obermann ab. Hinter ihnen landete RWE-Chef Peter Terium. Frank Brettschneider, der Autor der Studie sieht das Problem darin, „dass viele Vorstandvorsitzende vergessen, dass sie auch in die breite Öffentlichkeit wirken können.“

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