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DDR-Zirkusquartier an Investor verkauft

Ein Blick auf die denkmalgeschützte Manege am Winterquartier des ehemaligen Staatszirkus der DDR in Hoppegarten. Hier soll ein Wohngebiet entstehen.
Ein Blick auf die denkmalgeschützte Manege am Winterquartier des ehemaligen Staatszirkus der DDR in Hoppegarten. Hier soll ein Wohngebiet entstehen.

Das Winterquartier des einstigen DDR-Staatszirkus in Hoppegarten bei Berlin soll in ein Wohngebiet umgewandelt werden. Entsprechenden Plänen eines Investors habe die Gemeindevertretung zugestimmt, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Angela Schnabel. Der Käufer sei bereits dabei, den Bebauungsplan zu erarbeiten. Im Sommer soll Verkaufsstart für die Flächen sein. Quadratmeterpreis: um die 100 Euro.
Der Berliner Investor Holger Grahl will das mehr als 11.000 Quadratmeter große und teils denkmalgeschützte Zirkusareal zunächst sanieren und anschließend mit Einfamilienhäusern und einem Hotel bebauen lassen.

Probenmanege als Wellness-Gebäude

Lediglich „erhaltenswürdige Zirkusbauten“ wie das Manegengebäude oder Stallungen sollen auf der „Entwicklungsfläche am Winterquartier“ stehen bleiben. „Die ehemalige Probenmanege des Staatszirkus wäre für Schwimmen, Fitness und Wellness nutzbar und damit ideale Ergänzung des auf junge Familien, aber auch Geschäftsreisende orientierten Hotelbetriebes“, sagte Grahl.

Die Gemeindevertretung hatte bereits im Februar mit großer Mehrheit grünes Licht für das Projekt gegeben. Doch nun formiert sich Kritik an dem Vorhaben. „Hier wird ein Filetstück verscherbelt“, sagte Jörg Schultchen (FDP), Mitglied des örtlichen Bau- und Umweltausschusses. Ihm zufolge hätte die Gemeinde das Gelände an der Bundesstraße 1 nicht zur Bebauung freigeben dürfen, weil es im Außenbereich des Ortes liegt und direkt an ein Naturschutzgebiet grenzt. „Und im Außenbereich einer Gemeinde darf nicht gebaut werden.“

Die Vize-Bürgermeisterin Schnabel wies den Vorwurf zurück. Im Flächennutzungsplan sei das Gelände als sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen und dürfe demnach auch bebaut werden.

Projektgegner Schultchen dagegen wertet den Fall als ein deutliches Beispiel dafür, wie tatenlos man in Brandenburg dem ungehemmten Bauboom im Berliner Speckgürtel zusehe. „Es geht nur noch um Masse. Wir sind keine grüne Gemeinde mehr“, rügte der FDP-Politiker.

Die Gemeinde ist seit 1990 rasant gewachsen

Tatsächlich erlebt das Umland von Berlin einen Ansturm auf Immobilien und Grundstücke. Laut Marktmonitor des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) entwickelt sich das Umland im Takt mit der Hauptstadt. Dahlwitz-Hoppegarten steht stellvertretend für diese Entwicklung: 1990 hätten in der Gemeinde rund 5000 Menschen gelebt, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Schnabel. „Heute sind es 17000.“

Wie viel Investor Holger Grahl für das Gelände des DDR-Staatszirkus zahlte, ist unklar. Die Treuhandnachfolgerin TLG habe das Grundstück verkauft – zu welchem Preis, wisse sie nicht, sagte Schnabel. „Über die Summe wird geschwiegen“, sagte Gemeinderatsmitglied Schultchen. „Aber es waren ein Appel und ein Ei.“ Er fordert, das traditionsreiche Gelände in seinem Originalzustand zu erhalten. „Viele wissen gar nicht um die Historie“, sagte Schultchen. Von den 29 Gemeindevertretern seien nur zwei Alteinwohner aus Hoppegarten. „Alle anderen sind zugezogen.“

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