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„Denkbar wäre ein Kodex für umweltbewusste Film-Produktionen“

Was muss man sich unter umweltbewusstem Filmen vorstellen?
In Deutschland setzen wir generell auf einem hohen Niveau an, weil der Umweltschutz bereits recht verbreitet ist. So ist es bei uns – anders als beispielsweise in Italien oder den USA – relativ verbreitet, im Catering-Bereich statt Pappbechern Gläser oder Tassen zu verwenden. In einigen TV-Studios gibt es bereits Standards, die man relativ leicht einhalten kann. Dazu gehören Dinge wie Müllvermeidung, Naturkosmetik oder LED-Beleuchtung. Außerdem sollten Fahrzeuge mit niedrigem Benzinverbrauch eingesetzt werden. Beim Studio- und Kulissenbau sollten Materialien verwendet werden, deren Entsorgung unproblematisch ist. Im Prinzip kommt beim Film vieles zusammen, was im Alltag auch wichtig ist.

Umweltbewusstsein hat in der Regel seinen Preis. Wie verträgt sich das mit dem
Kostendruck, der in der Filmbranche herrscht?

Der Preis macht es nicht leicht – genau wie im Privatleben. Weil aber die Nachfrage gestiegen ist, sind die Produkte inzwischen etwas günstiger. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzt. Die Nachfrage wird dies zunehmend beeinflussen. Das ökologische Bewusstsein ist sehr gewachsen – auch in unserer Branche. Derzeit sind viele an einem Punkt, wo der Wille da ist und es um die Umsetzung geht. Es ist klar, dass Klimafreundlichkeit nicht überall eingehalten werden kann. Viele kleine Schritte können aber ein steigendes Bewusstsein ins Rollen bringen und dazu führen, dass umweltfreundlicher Alternativen gefunden werden.

Was kann das Medienboard dazu beitragen?
Wir können helfen, ein Problembewusstsein bei den Produzenten zu schaffen. Aber wir können auch Hilfestellungen geben. So haben wir eine Rubrik zum Thema „Green Filming“ auf unserer Webseite eingerichtet. Dort findet man Tipps und Adressen von Firmen, die umweltschonende Waren und Dienstleistungen anbieten. Zudem planen wir bei der Medienwoche im September das Thema intensiver ins Gespräch zu bringen. Wissenschaftlich wird das Thema durch die Zusammenarbeit mit dem Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) und der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ aufbereitet. Insbesondere die Hochschule kann bei der Ausbildung dazu beitragen, dass die nachwachsende Generation der Filmproduzenten den privaten Anspruch auf die Medienbranche überträgt.

Können sie das grüne Filmen bei der Förderung nicht einfordern?
Im Moment geben wir bewusst noch keine Plaketten oder Ähnliches. Ein Grund ist, dass es derzeit auch noch schwierig ist, Klimafreundlichkeit genau zu bemessen. Die Formel zum Kohlenstoffdioxid-Ausstoß ist umstritten. Wir denken aber beispielsweise darüber nach, in Förderverträgen einen Hinweis darauf geben, dass auf grüne Produktionswege geachtet werden soll. Außerdem wollen wir mit anderen Förderanstalten Standards entwickeln. Hamburg ist in diesem Punkt bereits sehr weit und ich bin optimistisch, dass wir gemeinsam mit den anderen Länderförderungen weitere Schritte nach vorne gehen. Denkbar wäre, dass ein bundesweiter Kodex entwickelt wird.

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