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Der Kahn-Konstrukteur

Seit über 600 Jahren bewegt man sich im Spreewald mit Kähnen, um im einzigartigen Binnendelta schneller voranzukommen. Früher waren die Boote mal alltägliches Fortbewegungsmittel. Vor gut 100 Jahren entwickelte sich die touristische Kahnfahrt. Tischlermeister Albrecht Netzker aus Burg hat jetzt nach alter Tradition seinen eigenen Spreewald-Kahn gebaut.

Haus und Werkstatt des 47-Jährigen liegen idyllisch an einem der zahllosen Burger Fließe. „Da liegt es für einen Tischlermeister nah, sich mal an einem Spreewald-Kahn zu versuchen“, lacht Netzker. Auch wenn es den Beruf des Kahnbauers schon lange nicht mehr gibt, sei es für ihn die „Königsdisziplin“, erklärt der Ur-Spreewälder.

Holz aus dem Spreewald kommt zum Einsatz

Nach zweiwöchiger Bauzeit entstand ein 7,75 Meter langes Gefährt, das an der breitesten Stelle circa 1,40 Meter misst. „Also ausreichend Platz, um auch noch Tische sowie Sitzbänke mit Lehnen einzubauen“, so der Familienvater. „Wenn wir mit Freunden unterwegs sind, gibt’s auch immer was für den Gaumen. Das genießen wir im Sitzen besser“, sagt der Tischlermeister und schmunzelt.

Für seinen Kahn Marke Eigenbau verwendete er Holz aus dem Spreewald. Noch besser, aber auch teurer, wäre Kiefernholz aus der Schorfheide, so der Märker. „Mit 120 bis 130 Jahren sind Kiefern dort besonders alt und haben eine für den Kahnbau gute Härte und Länge“, erläutert Netzker, der für sein Gefährt eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren prognostiziert. Bevor er sein Vorhaben startete, studierte der Burger die Materie gründlich.

Pläne für die Kinder archiviert

Wichtige Tipps erhielt er von einem alteingesessenen Spreewälder Kahnbauer. „Meine selbst entwickelten Pläne habe ich nun für meine Kinder archiviert. Ich hoffe, dass sie die später selber mal umsetzen.“ Albrecht Netzker selbst hatte sich zunächst an einigen Holzstücken ausprobiert, ehe er den richtigen Dreh heraus hatte. „Bei diesem Handwerk kommt wenig Technik zum Einsatz. Das meiste ist traditionelle Handarbeit“, blickt der Brandenburger auf sein Projekt zurück. Das Biegen des Holzes mit Hilfe von Feuer und Wasser sei eine der schwierigsten Tischlerarbeiten beim Kahn-Bau überhaupt. Das sagt einer, dessen Arbeit Einheimische und Besucher an vielen Privathäusern der Region bestaunen können. Für das Hotel „Zur Bleiche Resort & Spa“ fertigte er beispielsweise die Holzfenster an.

Privat schwebt ihm in diesem Jahr eine Kahn-Tour bis nach Berlin vor. „Diese Tour ist allerdings ein echtes Abenteuer und dauert etwa drei bis vier Tage“, sagt Albrecht Netzker. Doch er wolle die Fahrt unbedingt ausprobieren. Früher hätten Spreewälder Bauern Obst und Gemüse schließlich ganz alltäglich auf dem Wasserweg in die Hauptstadt gebracht.

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