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Deutschlands Chef-Frauen lesen Kanzlerin die Leviten

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (links, beide CDU) reden mit den Top-Managerinnen der Republik über Frauen in Führungspositionen.  FOTO: Hannibal
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (links, beide CDU) reden mit den Top-Managerinnen der Republik über Frauen in Führungspositionen. FOTO: Hannibal

VonAndreas Herholz

Hundert weibliche Führungs-
kräfte treffen sich mit Angela Merkel zum Erfah-
rungsaustausch. Die kann außer vagen Ankündigungen aber nicht viel bieten.

Berlin.Betreuungsgeld? Ehegattensplitting? Abschaffen! Frauenquote? Ja, bitte!
Beifall von den gut hundert Frauen im großen Konferenzsaal des Kanzleramtes. „Die Politik sollte alles sein lassen, was ein tradiertes Rollenverständnis verfestigt“, wirbt Ines Kolmsee für eine Abkehr vom traditionellen Familienmodell, für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die 42-Jährige gilt als Ausnahmeerscheinung der deutschen Wirtschaft, sie ist die einzige Vorstandschefin eines DAX-Unternehmens, Deutschlands wichtigste Managerin. Top-Ausbildung, steile Karriere, vier Kinder, an der Spitze des Chemiekonzerns SKW Metallurgie mit mehr als 1000 Mitarbeitern – ein Vorbild für viele Frauen. Am Dienstag sitzt sie in der Berliner Regierungszentrale mit anderen weiblichen Führungskräften und erklärt Angela Merkel, was bei der Frauenförderung aus ihrer Sicht alles falsch läuft.
Applaus für ihre Analyse, klare Worte, nicht nur von der Vorstandschefin, die der Kanzlerin zu denken geben müssten. Hatte doch Merkel dafür gesorgt, dass die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Unternehmens-Aufsichtsräten, wie sie die Opposition beantragt hatte, mit den Stimmen von Union und FDP im Bundestag abgelehnt worden war.

„In das Schneckentempo muss mehr Bewegung“
Viel Verständnis zwar von der Regierungschefin für das Drängen und Fordern ihrer Gäste. Doch wer von den weiblichen Führungskräften aus Wirtschaft, Verwaltung, Medien und Verbänden auf Konkretes von Merkel zum Thema Frauenförderung gehofft hatte, wurde enttäuscht. Appelle und Mahnungen an die Wirtschaft, doch bitte mehr Frauen in Spitzenjobs einzustellen und eine vage Ankündigung, vielleicht „Schritt für Schritt“ eine bessere Förderung und steuerliche Absetzbarkeit für Kinderbetreuung und Haushaltshilfen „im Auge zu behalten“ – viel mehr gibt es von der Gastgeberin nicht. Wie kann man Frauen in Führungspositionen stärken? Seit Jahrzehnten werde diskutiert, jetzt müsse man ehrlich sagen, „die Ergebnisse waren mager“, räumt Merkel ein. „Sie haben in gewisser Weise Seltenheitswert“, sagt sie den Frauen in Führungsposten im Saal. „Da muss in das Schneckentempo etwas Bewegung kommen“, fordert die Kanzlerin, bleibt aber Aussagen dazu schuldig, welchen Beitrag die Politik dabei leisten werde.
Dagmar Engel, Chefredakteurin der Deutschen Welle, hat dann noch einen pragmatischen Rat für weiblichen Führungsnachwuchs: „Das
A und O liegt wirklich in der Partnerwahl“ sagt sie. „Hoffen Sie nicht, dass es irgendwie schon gut gehen wird.“

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