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Die häufigen Fehlzeiten von Matthias Platzeck

Wieder einmal fehlte Matthias Platzeck: Als der Brandenburger Flughafenausschuss am Mittwoch in Schönefeld tagte, war der Ministerpräsident im Urlaub. Als der Aufsichtsrat des Flughafens eine Woche zuvor zusammenkam, war es ein Sportunfall, der ihn von der Teilnahme an der Pressekonferenz abhielt. Und als Vertreter der Landesregierung nach Israel reisten, litt Platzeck unter einer Virusinfektion – nur wenige Tage, nach dem Urteil zum Fluglärm.

Macht der Flughafen den Landesvater genauso krank wie einst die SPD? Kurz nachdem Platzeck im November 2005 zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt wurde, erlitt er einen Hörsturz und musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Im April 2006 trat er dann zurück.

„Für eine Sportverletzung kann niemand etwas – aber Matthias Platzeck fällt derzeit relativ häufig aus, das ist schon auffällig“, sagt Gregor Beyer (FDP). „Matthias Platzeck ist seit über 20 Jahren in verantwortungsvollen Ämtern für unser Land. Das hinterlässt Spuren“, sagt auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski.

Ministerpräsident in Loyalitätsschwierigkeiten

Tatsächlich steht der frühere Deichgraf unter Druck: Der Sieg der Fluglärmgegner vor dem Oberverwaltungsgericht passt nicht in die Politik des 2014 zur Wiederwahl antretenden Ministerpräsidenten. Und die Alleingänge von Flughafenchef Hartmut Mehdorn, der nicht nur Tegel länger offen lassen will, sondern auch über Änderungen des mühsam errungenen und durchgekämpften Planfeststellungsbeschlusses nachdenkt, machen die Sache auch nicht einfacher.

Matthias Platzeck gerät deswegen in Loyalitätsschwierigkeiten. Als Chef des Aufsichtsrates muss er sich für das Beste der Flughafengesellschaft einsetzen. Als Ministerpräsident dagegen ist er seinen Wählern und den Beschlüssen des Landtags verpflichtet.Ein Nachtflugverbot schade dem Flughafen, sagt beispielsweise Mehdorn. Die Anwohner dagegen wollen ausgedehnte Ruhezeiten.

Doch Regierungssprecher Thomas Braune beschwichtigt: Jedes Jahr zu Pfingsten fahre Platzeck mit seiner Familie in den Urlaub. „Dass er nicht am Flughafenausschuss teilnehmen konnte, stand lange fest“, so Braune.

Und die Situation 2005, als Platzeck zugleich ein Bundesland und eine Bundespartei führen musste, sei eine extreme Doppelbelastung gewesen, die mit der heutigen Situation nicht vergleichbar sei. Dass seine Gesundheit auf den Flughafen reagiere, sei daher eine „Mär“.

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