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Die vielen Gesichter der Pfarrerstochter Angela Merkel

In jedem Jahr ihrer politischen Laufbahn sah Angela Merkel anders aus.  FOTO: dpa
In jedem Jahr ihrer politischen Laufbahn sah Angela Merkel anders aus. FOTO: dpa

VonRasmus Buchsteiner

Die DDR-Vergangenheit der Pfarrerstochter wirft wieder Fragen auf. Diesmal geht es um ihre Rolle in der Jugendorganisation FDJ. Aber eine klare Antwort gibt die Kanzlerin nicht. Ihre Botschaft: Alles wurde gesagt.

Berlin.Sie habe „nie irgendwas verheimlicht“. Das sei ihr wichtig, sagt Angela Merkel. Die Kanzlerin sitzt in einem Kinosaal in Berlin-Charlottenburg. Eigentlich war sie gekommen, um ein wenig in Nostalgie zu schwelgen und dem versammelten Publikum den DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ vorzustellen. Die Kanzlerin, das Private und das Politische im SED-Staat – ein lange geplanter Auftritt in einer Veranstaltungsreihe der Deutschen Filmakademie. Doch dabei holen Merkel am Sonntagabend kritische Fragen zu ihrer Vergangenheit in der DDR ein: Eine neue Biografie – Titel „Das erste Leben der Angela M.“ – beschreibt die Kanzlerin schließlich als „Reformkommunistin“. Die Autoren werfen ihr allzu große Systemnähe vor und enthüllen, dass sie als Physikerin an der Berliner Akademie der Wissenschaften FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda an ihrem Institut sowie Mitglied der Betriebsgewerkschaftsleitung war.
Wie nah war Pfarrerstochter Merkel dem System? Bisher hat sie ein Engagement bei der FDJ zwar eingeräumt, aber abgestritten, als Sekretärin für Agitation und Propaganda tätig gewesen zu sein. Nun aber klingt es anders.
Auf die neue Biografie angesprochen, vollzieht Merkel eine Art Kurskorrektur bei der Beschreibung ihrer eigenen Biografie. „Ich kann mich nur auf meine Erinnerung stützen, das muss man jetzt so nehmen“, sagt sie. Merkel ist erkennbar mit sich selbst im Reinen und schiebt zur Sicherheit noch einen Satz hinterher: „Vielleicht habe ich auch andere Dinge nicht erzählt, weil man mich noch nie danach gefragt hat.“
Alles sei gesagt, so die Botschaft aus dem Bundeskanzleramt. Aus der CDU kommt demonstrativ Rückendeckung für die Kanzlerin. Weniger milde urteilen die Autoren der Biografie, die Journalisten Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann. Merkel sei „durch ihren sozialistischen Vater“ politisch geprägt und von Schulzeiten an in die politischen Organisationen des SED-Staates eingebunden gewesen – „nicht als Mitläuferin, sondern als Funktionärin“. Und später, als sie nach der Wiedervereinigung Karriere machte, sei „ihr erstes Leben von ihr selbst und von anderen mit den Vorstellungen der westlichen CDU-Anhängerschaft von Leben und Rolle einer Pfarrerstochter in der DDR in Einklang gebracht“ worden. So sei „die Legende von der patriotischen Pfarrerstochter, die in der Wende auszog, um mitzuhelfen“ in die Welt gesetzt worden.

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