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Die zweite Chance des Peer Steinbrück

„Hallo Zukunft, bist du da?“, fragt der Sessel Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Jungen Deutschen Theater Berlin.  FOTO: dpa
„Hallo Zukunft, bist du da?“, fragt der Sessel Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Jungen Deutschen Theater Berlin. FOTO: dpa

Von dpa-Korrespondent
Georg Ismar

Der SPD-Kanzlerkandidat ist zurück aus der Osterpause und auf Ochsentour durch die Bundesländer.Für seinen Wahlkampf hat er sich mehr Selbstkontrolle auferlegt.

Berlin.So eine Kanzlerkandidatur kann auch schon mal im Planschbecken enden. Zusammen mit einer Schülerin. Antonia Münchow probt gerade mit ihren Mitstreitern im Deutschen Theater das Stück „2035 oder Mit 40 eröffne ich ein Hotel auf dem Mond“. Peer Steinbrück macht hier Station im Rahmen seiner Länderreise durch Berlin. Er klappert derzeit alle 16 Länder ab. „Peer oder Pierre“, fragt die 19-Jährige etwas despektierlich. Sie dürfe ihn doch duzen, oder? Dann bittet Antonia den SPD-Politiker ins Bällebad mit weißen Kugeln im roten Planschbecken.
Sein Eintauchen ist auch ein Eintauchen in die neue Realität seines Wahlkampfes. Sie will einfach mal plappern, auch über Intimes. Aber Steinbrück ist vorsichtiger geworden. Und eine Sprecherin – zur Verstärkung der bisher oft suboptimalen Pressearbeit geholt – ist sichtlich bemüht, dass nichts Unvorhergesehenes passiert.
Dochim Bällebad ist er der forschen Antonia ausgeliefert. Er soll drei Dinge nennen, die er in die Zukunft mitnehmen wolle. Ein Taschenmesser, Tolstois „Krieg und Frieden“ und eine Flasche Rotwein, sagt Steinbrück. Welchen Rotwein, fragt Antonia. Steinbrück: „Ich gebe keine Marken mehr zum Besten. Und über Preise rede ich schon gar nicht mehr.“
Er will nicht nochmal in die Falle tappen wie im Dezember, als er preisgab, dass er eine Flasche Pinot Grigio für nur fünf Euro nicht kaufen würde. Das brachte dem Sozialdemokraten viel Häme ein – und passte nichtzu seinem Bundestagswahlkampf, der sich auf das Thema soziale Gerechtigkeit fokussieren soll. Er will die Fliehkräfte in der Gesellschaft bändigen – und nicht mehr ständig nur die Fliehkräfte seiner schwierigen Kanzlerkandidatur.
Das Problem: Steinbrücks schlechte Glaubwürdigkeitswerte – und die starken Werte von Kanzlerin Angela Merkel. Beim Besuch eines Internet-Startups in Sichtweite der früheren Mauergrenze spricht Steinbrück viel von der zweiten Chance. In den USA sei es normal, zwei oder drei Mal mit neuen Unternehmungen zu scheitern und dann aus Fehlern zu lernen. „In Deutschland wird man sehr schnell zum Verlierer abgestempelt“, sagt Steinbrück.
Man könnte meinen, er rede von sich – der Kandidat sucht derzeit das Rezept, um seiner Kandidatur neuen Aufwind zu verleihen.

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