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Erfolg trotz Randlage: Ein Landkreis mausert sich

Die neugebaute Esteranlage auf dem Gelände der Prignitzer Chemie GmbH. Seit 2009 wurden 25 Millionen Euro investiert, wovon sieben Millionen Fördermittel waren.
Die neugebaute Esteranlage auf dem Gelände der Prignitzer Chemie GmbH. Seit 2009 wurden 25 Millionen Euro investiert, wovon sieben Millionen Fördermittel waren.

Die Produkte der Prignitzer Chemie in Wittenberge sind einem Laien nicht einfach zu erklären: Fraktionierte Fettsäuren, Ester und Glyzerin? Der Aha-Effekt stellt sich spätestens dann ein, wenn Geschäftsführer Patrick Knüppel erklärt, wofür das alles gebraucht wird. Gummibärchen kleben dann nicht zusammen, Hautcreme lässt sich besser verteilen oder Medikamente wirken erst dort, wo sie sollen.

Sogar Weltkonzerne sind auf die Produkte aus der märkischen Fläche nahe Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern angewiesen. Die strukturschwache Prignitz mausert sich zunehmend zu einem für Investoren interessanten Ansiedlungsort. Einige kamen schon vor Jahren, andere haben ihre Vorhaben gerade gestartet. Die Region habe es nach der Wende mit am schwersten gehabt, sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Zukunftsagentur Brandenburg, Steffen Kammradt. „Doch mittlerweile hat der Standort mit die größte Dynamik im Land.“

25 Millionen Euro investiert

Fast auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg gelegen, mit einigen Bundesstraßen und drei Autobahnen im Rücken, kann die Region in puncto Infrastruktur einige Pluspunkte vorweisen. Gerade wird der Hafen Wittenberge ausgebaut. Auf der Elbe geht es nach Hamburg oder in die andere Richtung nach Sachsen und Tschechien. Die Chemiewerke kamen 1991.

Seitdem vergingen nicht nur gut zwei Jahrzehnte, auch 25 Millionen Euro wurden investiert. „Ohne Förderung hätten wir die Investitionen nicht stemmen können“, sagt Geschäftsführer Knüppel. Derzeit werden 82 Mitarbeiter beschäftigt und 16Lehrlinge ausgebildet. Im kommenden Jahr sind weitere Vorhaben geplant.

Mit der neuen EU-Förderperiode ab 2014 müssen sich die Regionen auf neue Bedingungen einstellen. „Es gibt dann bedeutend weniger Geld“, hat Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) kürzlich klar gemacht. Man habe sich vorbereitet. Förderung komme dort an, wo der größte Effekt erzielt wird. Die Investitionsbank Brandenburg (ILB) biete mit speziellen Instrumenten weiter Förderdarlehen an.

Große Visionen werden weiterhin gefördert

Im Vorjahr konnten Zusagendes Landes in Höhe von 142 Millionen Euro vollständig erfüllt werden. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der ILB, Tillmann Stenger, wurden damit Investitionen in Höhe von 877 Millionen Euro ausgelöst. „Gerade Regionen mit großen Visionen können auf Förderungen vertrauen.“ Bewährt haben sich regionale Wachstumskerne.

Einen Schritt weiter gehen sogenannte Cluster. Sie bündeln das Zusammenwirken von Unternehmen, Wissenschaft- und Forschungsstätten und Verantwortlichen in der Wirtschaftspolitik. Seit Ende 2012 baut der österreichische Dämmstoff-Spezialist Austrotherm in Wittenberge ein neues Werk. Rund 70 Arbeitsplätze entstehen. In die strukturschwache Prignitz fließen auf einen Schlag weitere 40 Millionen Euro. Für den Geschäftsführer des Kunststoffplattenherstellers Stadur in Karstädt, Wolfgang Sylvester, ist es mittlerweile eine Herzenssache, eine Lanze für die Prignitz zu brechen. „Sie wird schlechter gemacht, als sie ist“, betont er. Bereits 12,5 Millionen Euro habe er in den Standort nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern investiert – auch Fördermittel. Hier finde er bei Verantwortlichen immer ein offenes Ohr. „Unser Ziel heißt: 100 Millionen Euro Umsatz. Die ersten 50 Millionen Euro sind geschafft“, freut sich Sylvester, der auch Werke in Niedersachsen und Baden- Württemberg hat.

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