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Erntehelfer aus Osteuropa: Ohne geht's nicht

Auch zum Pflücken von Erdbeeren kommen viele Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Brandenburg. Die Verdienstmöglichkeiten sind oft deutlich attraktiver als im Heimatland – und die Helfer entsprechend motiviert.
Auch zum Pflücken von Erdbeeren kommen viele Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Brandenburg. Die Verdienstmöglichkeiten sind oft deutlich attraktiver als im Heimatland – und die Helfer entsprechend motiviert.

Die märkischen Gemüse- und Obstbauern finden in dieser Saison mehr als ausreichend Erntehelfer. „2013 existierten mehr Bewerbungen als freie Stellen“, sagt Manfred Schmidt vom Beelitzer Spargelverein. Der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg schätzt die Zahl der Saisonarbeiter aus Osteuropa, die in diesem Jahr auf märkischen Spargel- und Gurkenfeldern sowie in den unzähligen Obstplantagen zum Einsatz kommen, auf über 5000. Insgesamt seien es jährlich bis zu 270000 Saisonarbeiter, die zur Ernte nach Deutschland kommen. Die meisten kämen aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien, teilt der Deutsche Bauernverband mit. „Allerdings verschiebt sich derzeit einiges“, sagt der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade.

In Polen seien in manchen Branchen die Löhne gestiegen, so dass der Zwang, sich etwas dazuverdienen, nicht mehr so hoch sei. Für Rumänien gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU noch nicht, das Land profitiert aber von der Ausnahmeregelung, die unter anderem für Saisonarbeiter gilt.

„Zurzeit haben die Betriebe überhaupt keine Probleme, Arbeitnehmer zu finden“, erklärt Burkhard Möller vom Deutschen Bauernverband. Allein rund um Beelitz seien mehr als 2000 Erntehelfer auf 1300 Hektar aktiv, berichtet Schmidt. Hier sei aber noch alles beim Alten, denn zu 70 Prozent kämen die Beelitzer Saisonarbeiter aus Polen. „Wir haben seit Jahrzehnten ausgezeichnete Verbindungen zu unseren Nachbarn“, sagt der Spargelvereins-Chef. Mittlerweile hätten viele in Potsdam-Mittelmark eine neue Heimat gefunden, einige sogar in Beelitz eingeheiratet. „So etwas spricht sich in Polen herum, dass man es bei uns zu Wohlstand bringen kann.“ Andere halten Schmidt zufolge seit 20 Jahren ihren Spargelhöfen die Treue und bleiben jedes Jahr 60 Tage zum Stechen. „Die meisten kommen aus ländlichen Regionen und helfen bei uns, bevor bei ihnen die Kornernte startet.“

Ein Spargelstecher kann über 2500 Euro verdienen

Etwa 700 bis 800 Euro zahlen die Beelitzer Spargelhöfe als Grundlohn. Dazu kämen Leistungszuschläge. Ein guter Spargelstecher könne es im Monat so auf mehr als 2500 Euro bringen, erklärte Schmidt. Auch die Unterbringung der Saisonarbeiter, die auch aus Rumänien, Bulgarien oder Kroatien kommen, sei nicht schlecht. Spargelbauern hätten verlassene Bundeswehrkasernen bei Lehnin oder Luckenwalde gekauft und ihre Arbeiter dort untergebracht. „Die Kasernen sind auf dem neusten Stand, weil die Bundeswehr sie saniert hatte, bevor sie sie aufgegeben hat“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Auch im Spreewald während der Gurkenernte sind Erntehelfer unersetzlich. Die Agrargenossenschaft „Unterspreewald“ aus Dürrenhofe hat ab dem 20. Juni mehr als 140 Saisonkräfte im Einsatz. „Unsere Leute kommen schon seit Jahren zu uns“, sagt Geschäftsführer Uwe Schieban. Zumeist verdingten sich in der Gurkenernte polnische Studenten. Die Genossenschaft baut auf 45 Hektar Gurken an, dazu kommen auf 25 Hektar Spargel. „Ohne die Helfer könnte man nur mechanisieren. Aber die Qualität ist bei handgestochenem Spargel sehr viel besser“, sagt Schieban.

Laut Gartenbauverband wird in der Mark ab fünf Euro die Stunde und mehr gezahlt. Dazu kommt der Akkordzuschlag. In Polen liege der gesetzliche Mindestlohn bei 2,23 Euro, sagt Geschäftsführer Andreas Jende. Zudem seien die Saisonarbeiter aus Osteuropa hoch motiviert, weil sie in Deutschland seien, um Geld zu verdienen.

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