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Erster Tag vor Gericht im Fall „Mord ohne Leiche“

Zwei Angeklagte warten mit ihrem Anwalt im Landgericht auf den Prozessbeginn. Es geht um den mutmaßlichen Mord an einer 17-Jährigen.
Zwei Angeklagte warten mit ihrem Anwalt im Landgericht auf den Prozessbeginn. Es geht um den mutmaßlichen Mord an einer 17-Jährigen.

Seit knapp 16 Jahren ist Maike verschwunden. Bis heute hoffen ihre Eltern, wenigstens die Leiche der damals 17-Jährigen zu finden. Die Ermittler gehen von Mord aus: Der heute 34 Jahre alte Ex-Freund der jungen Frau aus Leegebruch (Oberhavel) soll die Hochschwangere am 3. Juli 1997 gemeinsam mit einem 79 Jahre alten Bekannten getötet haben. Hinter der Tat steckt nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die Mutter des Jüngeren: „Sie wollte nicht akzeptieren, dass ihr Sohn für das Kind zahlen soll“, sagte Staatsanwalt Torsten Sauermann vor dem Landgericht Neuruppin zum Auftakt des Mordprozesses gegen zwei der drei Beschuldigten.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben die Täter die 17-Jährige „heimtückisch und aus Habgier“ getötet. Laut Anklage haben die Männer sie nach einer Schwangerschaftsuntersuchung im Krankenhaus Hennigsdorf unter einem Vorwand ins Auto gelockt. Dann sind sie, so der Vorwurf, mit der jungen Frau in ein Waldstück gefahren. Der auf der Rückbank sitzende Senior soll sie von hinten erdrosselt haben. Dafür hat der Mann laut Anklage umgerechnet knapp 1800 Euro erhalten. Die beiden Männer sind des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt, die Frau wegen Anstiftung dazu.

Mutter und Sohn vor dem Kadi

„Von Mitte Februar bis Juli 1997 hat sie ihren Sohn unmissverständlich aufgefordert, Maike zu töten“, sagte Staatsanwalt Sauermann. Vor Gericht verantworten müssen sich zunächst nur Mutter und Sohn. Das Verfahren des 79-Jährigen ist am ersten Prozesstag überraschend abgetrennt worden. Nach einem früheren Herzinfarkt und Schlaganfall soll untersucht werden, ob er verhandlungsfähig ist.

Maikes Familie hat lange auf diesen Prozess gewartet. „Sie wünschen sich, dass endlich Licht ins Dunkel kommt“, sagte ihr Anwalt. Neben den Eltern treten Bruder und Schwester des Opfers als Nebenkläger auf. Verwandte begleiteten die Familie zum Prozess. Neue Details erfuhren sie zunächst nicht – die Angeklagten setzen ihr Schweigen vor Gericht fort. „Das wird ein reiner Indizienprozess“, sagte Rechtsanwältin Marianne Cagajewski, die den Ex-Freund vertritt.

Die Eltern wollten Maike zu einer Abtreibung drängen

Aus Sicht der Verteidigung ist die Beweislage dürftig. Hauptbelastungszeuginnen sind zwei Frauen. Ihnen soll der 34-Jährige die Tat gestanden haben. Maikes Schwangerschaft passte niemanden – weder ihren Eltern, noch dem Freund, noch dessen Mutter. Ein gemeinsames Treffen sollte die 17-Jährige zur Abtreibung bewegen, schilderte der Vater vor Gericht – ohne Erfolg. „Maike hat um ihr Kind gekämpft“, sagte der 58-Jährige.

Im Gegensatz zur anderen Seite hätten seine Frau und er sich abgefunden, Großeltern zu werden, und die Tochter unterstützt. Doch dann sei sie verschwunden. Obwohl die Eltern auch einen Privatdetektiv einschalteten, ist Maike bis heute nicht aufgetaucht. Eine erneute Suche mit Hunden vor wenigen Tagen in einem Waldstück blieb erfolglos.
Die Angeklagten waren früh ins Visier der Ermittler geraten, doch die Indizien reichten nicht aus. Nun glaubt die Staatsanwaltschaft, das Trio doch überführen zu können. Die Polizei hatte den Fall auch mit Hilfe der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ im vergangenen Jahr noch einmal aufgerollt. Dabei hatte sich der Verdacht erhärtet.
Das Gericht hat zunächst insgesamt zwölf Prozesstage bis zum 15. August mit 29Zeugen geplant.

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