Nordkurier.de

Es braucht Wächter im Angebots-Dschungel

Die Verbraucher haben die Wahl – beim Einkaufen oder in der Politik. Das weiß auch Angela Merkel (CDU).  FOTO: Rainer Jensen
Die Verbraucher haben die Wahl – beim Einkaufen oder in der Politik. Das weiß auch Angela Merkel (CDU). FOTO: Rainer Jensen

VonGünther Voss

Nach Lebensmittelskanda-
len, Abzocke bei Telefon-
warteschleifen und Daten-
Missbrauch im Internet sind die Verbraucher misstrau-
isch geworden. Ihr Schutz sei von „allergrößter Bedeutung“, findet deshalb die Bundeskanzlerin.

Berlin.Angela Merkel (CDU) hält die Arbeit von Verbraucherschützern für unverzichtbar. „Die unabhängige Beratung der Verbraucherzentralen ist von allergrößter Bedeutung“, sagte die Kanzlerin am Montag beim Deutschen Verbrauchertag. Die Beratung der Verbraucher biete Orientierung im Dschungel der Angebote. Bei allen Gesetzen binde die Bundesregierung die Verbraucherzentralen mit ein. „Die Zeit der Katzentische für Verbraucherschützer ist vorbei“, versicherte Merkel.
Dass das Vertrauen deutscher Verbraucher erschüttert ist, zeigt eine neue Studie: Zwei von drei Konsumenten gehen demnach davon aus, dass es im Finanzbereich (63 Prozent) und bei Lebensmitteln (62 Prozent) Produkte und Anbieter gibt, die Verbraucher täuschen und schädigen können.
Wie die am Montag vorgestellte Erhebung des Instituts Infas ergab, erwartet die Mehrheit der Befragten nicht, dass Staat oder Wirtschaft für einen verbraucherfreundlichen Markt sorgen. Die in Berlin präsentierte Studie war vom Dachverband der Verbraucherzentralen vzbv in Auftrag gegeben worden. Dessen Chef Gerd Billen verwies auf die Bedeutung der Verbraucher für die gesamte Wirtschaft: „Unser privater Konsum steht für 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, sagte er. „Wir sorgen für Jobs und Wachstum“, so Billen. „Für Verbraucher ist jeder Tag Wahltag“, fügte er mit Blick auf die Bundestagswahl im September hinzu.
Zum Wunsch Billens, die Politik möge den Verbraucherzentralen zusammen mit der unabhängigen Stiftung Warentest die Rolle eines kritischen „Finanzmarktwächters“ geben, äußerte sich Merkel zurückhaltend. Billen begründete die Forderung mit dem Hinweis, Verbraucherschützer könnten damit besser vor „schwarzen Schafen“ warnen.
Angela Merkel verteidigte das Bemühen der Bundesregierung gegen die Kritik der Verbraucherschützer, bei der Festlegung neuer Grenzwerte für die CO2-Effizienz von Autos auch das Gewicht zu berücksichtigen. Viele technische Innovationen in Kleinwagen gebe es nur, weil die Entwicklung mit größeren Autos vorangetrieben worden sei, meinte Merkel. Billen hatte moniert, nach diesen Kriterien sei der Leopard-Panzer „das energieeffizienteste Fahrzeug in diesem Land“.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×