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Experte im Interview: "Zu dicht am Wasser gebaut"

Welche Lehre muss die Politik aus immer neuen Hochwassern ziehen?
Der Mensch muss sich schützen. Wir sind immer noch nicht ausreichend vorbereitet auf solche Extremsituationen. Die Hochwasser werden immer häufiger: 2002 gab es die letzte große Flut – und jetzt schon wieder!

Entlang der Ufer müssen endlich die notwendigen Hochwasserschutz-Maßnahmen getroffen werden. Dazu gehören auch unpopuläre Maßnahmen – bis hin zu Bauverboten in besonders gefährdeten Gebieten und Enteignungen zur Schaffung von Poldern und Rückhaltebecken. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das gilt unbedingt auch für den Kampf gegen den Klimawandel.

Was sind die größten Versäumnisse beim Hochwasserschutz?
Es wurde viel zu dicht an den Flüssen gebaut. Die Flüsse holen sich bei Hochwasser die Urstromtäler zurück. Es müssen mehr Flussabschnitte renaturiert werden. Leider haben sich einige Kommunen in zahlreichen Rechtsstreitigkeiten über den Hochwasserschutz verzettelt. Mit Hochwasserkatastrophen wie jetzt werden wir künftig nicht nur einmal in 100 Jahren rechnen müssen, sondern mindestens einmal im Jahrzehnt – vielleicht sogar häufiger.

Sie empfehlen konsequenten Klimaschutz als Antwort auf Starkregen und Hochwasser?
Ja. Die Effekte werden sich zwar nicht sofort einstellen, sondern allenfalls mittelfristig. Deutschland hätte beim Klimaschutz noch mehr machen können, vielleicht sogar müssen. Wir haben zwar unsere Kyoto-Ziele zum Abbau von Treibhausgas-Emissionen gestoppt. Allerdings waren das die Ziele für Gesamt-Deutschland. Unter Helmut Kohl waren die Klimaschutz-Ambitionen allein für den Westen viel größer. Wir sind weit hinter dem zurückgeblieben, was möglich gewesen wäre.

Aber: Selbst wenn Deutschland von einem Tag auf den anderen kein CO2mehr in die Luft blasen würde, wäre das keine große Veränderung. Wir sind gerade mal für fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes verantwortlich. Deshalb müssen auch die anderen beim Klimaschutz ihre Hausaufgaben machen.

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