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Facebook als Retter in der Not: Verabreden zum Sandsack-Schleppen

Kein Leuchtturm, sondern ein alter Wachturm der DDR-Grenztruppen steht auf einem Elb-Deich bei Boizenburg.
Kein Leuchtturm, sondern ein alter Wachturm der DDR-Grenztruppen steht auf einem Elb-Deich bei Boizenburg.

Wie kommt es zu der großen Hilfsbereitschaft in den Hochwassergebieten?
Wir haben die Bilder aus den Flutgebieten seit Tagen omnipräsent. Da hat man Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wann man frei machen kann, um zu helfen. Hilfsbereitschaft ist eigentlich das Normale. Schwierig ist immer, die Frage, wann man Zeit und die Ressourcen findet, das umzusetzen.

Erzeugen Katastrophen ein Wir-Gefühl, das die Hilfsbereitschaft verstärkt?
Katastrophen fördern prosoziales Verhalten. Das besagt auch die Forschung. In den Medien wird oft von Plünderungen und Paniken berichtet – Situationen, wo Menschen asozial werden, übereinander trampeln, ihren eigenen Nutzen maximieren wollen, eben sich nicht um das Wohl der anderen kümmern. Das kommt empirisch gesehen aber seltener vor. Bei Katastrophen helfen die Leute einander. Sie suchen geradezu danach.

In den Medien gibt es viele Aufrufe zum Helfen. Mobilisieren die zusätzlich?
Sicherlich jene Menschen, die schon mit dem Gedanken spielen. Sie sehen, dass man mit Sandsäcken, mit einfachem Anpacken, helfen kann. Wenn dieses Bedürfnis geweckt ist, braucht es eine Infrastruktur: Wo kann ich mich informieren? Wo werde ich gebraucht? Wie komme ich da hin?

Wird das Helfen durch die sozialen Netzwerke also zu einem Event, bei dem man nicht fehlen will?
Ganz bestimmt. Wir haben das beispielsweise in Passau gesehen, wo sich quasi die ganze Universität gegenseitig mobilisiert hat. Auf Facebook kennen sich die Leute untereinander und fühlen sich dadurch viel stärker angesprochen: „Wenn die anderen das machen, dann muss ich doch auch.“ Das sind Kommunikationsformen, die Leute spezifisch adressieren.

Sehen Sie im Vergleich zum Hochwasser von 2002 eine größere Hilfsbereitschaft?
Die hat tatsächlich zugenommen – und zwar aus zwei Gründen. Erstens hat man die Erfahrungen von damals noch so präsent, sie stecken noch in der Generation drin. Das andere sind die sozialen Netzwerke, die die Hilfsbereitschaft anheizen. Sie lassen das Helfen zusätzlich auch noch cool werden.

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