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Friedrich warnt vor Terror-Einzeltätern

Überwachung all überall: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist dafür. [KT_CREDIT]FOTO: Maurizio Gambarini
Überwachung all überall: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist dafür. [KT_CREDIT]FOTO: Maurizio Gambarini

VonStefan Voß

Die Gefahr ist nicht neu, doch nach Boston ist sie erneut ins Bewusstsein gerückt: Terroranschläge drohen heute vor allem durch radikalisierte Einzeltäter. Syrien ist zum beliebten Ziel deutscher Dschihadisten geworden.

BerlinInnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat nach dem Bombenanschlag von Boston vor der Gefahr durch terroristische Einzeltäter gewarnt. „Statt großer Organisationen werden wir nun von Einzeltätern und Kleinstgruppen attackiert, die sich selbst radikalisieren“, sagte er „Spiegel Online“. „Das ist sehr beunruhigend.“ Die Sicherheitsbehörden beobachteten Reisen deutscher Extremisten nach Syrien mit großer Sorge, weil es Aufrufe an die im Kampf ausgebildeten Europäer gebe, später in ihre Heimat zurückzukehren und dort den Dschihad (Heiligen Krieg) weiterzuführen.
„Wir wissen, dass auch Dschihadisten aus Deutschland, die wir hierzulande bereits im Visier hatten, sich in Syrien aufhalten und dort an der Seite der Rebellen kämpfen“, sagte Friedrich. Am Mittwoch hatte der oberste Terrorismusexperte der Europäischen Union, Gilles de Kerchove, von bis zu 500 radikalen Islamisten aus Europa berichtet, die sich den Kämpfen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad angeschlossen hätten.
Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hatte kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt, Syrien sei ein neues bedeutendes Ziel für Dschihadisten aus Deutschland geworden. Das Land werde 2013 möglicherweise ein neuer Schwerpunkt entsprechender Reisebemühungen.
Dem „Focus“ hatte Maaßen gesagt, im vergangenen Jahr habe der überwiegende Teil der aus Deutschland ausgereisten Islamisten das Ziel Ägypten gehabt – es gehe um rund 60 Personen. Ägypten diene als Transitland. Seit Mitte 2012 gebe es einen Trend, auch nach Syrien zu gehen. Dabei handele es sich bislang um eine kleine Zahl deutscher Islamisten.
Nach dem Bombenanschlag von Boston sind laut Friedrich auch in Deutschland von den Behörden als gewaltbereit eingestufte extremistische Gefährder eingehend überprüft worden. „Nach Anschlägen wie in Boston wird natürlich noch mal genauer hingeschaut“, sagte Friedrich.
Mit den USA bestehe ein intensiver Informationsaustausch. Bisher aber gebe es keine Spuren der Täter, die nach Deutschland führten. Erneut sprach sich Friedrich für eine Ausweitung der Videoüberwachung aus.

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