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Gedenken an Befreiung aus Konzentrationslagern

In Brandenburg ist an die Befreiung der ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg und Sachsenhausen bei Oranienburg vor
68 Jahren erinnert worden. „Das Leid der Opfer des nationalsozialistischen Terrors ist uns immer gegenwärtig“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zur Eröffnung einer neuen Dauerausstellung in Ravensbrück. Auch in Sachsenhausen wurde der Opfer mit einer Veranstaltung gedacht.

Platzeck mahnte eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus an. Viele Überlebende würden ihre ganze Kraft aufbringen, um ihr Wissen an junge Menschen weiter zu geben. Die Ausstellung biete einen Einblick in die Biografien der Opfer. Sie gebe eine Vorstellung von Unrecht, Schmerz und Leid, aber auch von Hoffnung, Mut und Freundschaft, sagte der Ministerpräsident. Er ehrte die Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, Annette Chalut, mit dem Verdienstorden des Landes. Trotz ihres hohen Alters setze sie sich dafür ein, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten niemals vergessen werden.
Die Schau für rund 2,7 Millionen Euro in der ehemaligen Kommandantur zeigt rund 1500 Exponate von Überlebenden und Angehörigen. Sie wurden aus ganz Europa zusammengetragen. Die Initiatoren wollen vor allem die Sicht von Frauen auf die Leidenszeit während des Naziterrors darstellen. Erinnerungsstücke, Fotos und Dokumente, die verschiedene Häftlingsverbände bereits zu DDR-Zeiten gesammelt haben, werden präsentiert.

Das einstige Konzentrationslager Ravensbrück war das größte Frauenlager der Nationalsozialisten auf deutschem Gebiet. Zwischen 1939und 1945 waren nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten etwa 132000 Frauen und Kinder, 20000 Männer sowie rund 1000 junge Mädchen inhaftiert. Sie stammten aus über 40 Nationen.

Zehntausende starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. In einer provisorischen Gaskammer wurden von Ende Januar bis April 1945 etwa 5000 bis 6000 Häftlinge ermordet.

Kurz vor Ende des Krieges trieb die SS einen Großteil der Gefangenen auf sogenannten Todesmärschen in Richtung Nordwesten. Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee etwa 3000 im Lager zurückgelassene Kranke.
Bei der zentralen Gedenkveranstaltung im früheren Konzentrationslager Sachsenhausen betonte der stellvertretende Ministerpräsident Helmuth Markov (Linke), sich zu erinnern, sei ein Auftrag: „Er gilt über Generationen hinweg. Er war Verpflichtung für die, die vor uns Verantwortung trugen. Er gilt für uns, und er wird Auftrag bleiben für die, die nach uns kommen. In Deutschland wird dieser Auftrag immer gelten.“

Markov sagte, es bewege ihn sehr, dass so viele ehemalige Sachsenhausener Häftlinge trotz der grauenhaften Geschehnisse, die sie mit diesem Ort verbinden, den Faden der Erinnerung wieder aufnehmen und sich 68 Jahre nach der Befreiung noch einmal ihrem leidvollen Schicksal stellen. „Wir grüßen und ehren auch diejenigen, die nicht mehr die Kraft hatten, hierher zu kommen.“ Im Lager Sachsenhausen bei Berlin litten rund 200000 Menschen. Zehntausende starben an Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit oder Misshandlungen. Tausende kamen ums Leben, als sie im April 1945 nach der Evakuierung des Lagers auf einen Todesmarsch geschickt wurden. Am 22. und 23. April 1945 wurde das KZ Sachsenhausen befreit.

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