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Grenzenlose Jagd auf internationale Diebesbanden

Gegen Regen ist der polnische Botschafter schon mal geschützt. Er bekam von Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring (links) einen Schirm überreicht.
Gegen Regen ist der polnische Botschafter schon mal geschützt. Er bekam von Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring (links) einen Schirm überreicht.

Organisierte Banden in der deutsch-polnischen Grenzregion machen Deutschland und auch Polen zu schaffen. Auf der vierten Grenztagung des Polizeipräsidiums Brandenburg im polnischen Slubice sprach Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) von einem europäischen Problem. Auch Polen sei von Autodiebstählen, Schleusungen und organisierter Kriminalität betroffen, sagte der Minister vor rund 180 Teilnehmern – vor allem Polizisten und Staatsanwälten.

Seit dem Wegfall der Kontrollen unmittelbar an den Grenzübergängen im Jahr 2007 war die Grenzkriminalität sprunghaft gestiegen. Woidke sagte: „Beide Länder sind Transiträume für Tatverdächtige anderer Staaten.“ Die Kriminalität beeinträchtige das Sicherheitsgefühl der Bürger beiderseits der Grenze und sorge auch für Verunsicherung in der Wirtschaft. Beamte beider Länder hätten mit ihrer Zusammenarbeit schon viel erreicht.

Diebe stören das "harmonische Zusammenleben"

Für den Botschafter der Republik Polen in Berlin, Jerzy Marganski, ist die Grenzkriminalität ein Problem mit politischer Dimension. „Es ist ein Problem, das das harmonische Zusammenleben an der Grenze am meisten stört“, sagte er. Marganski wertet den leichten Rückgang des Autodiebstahls im Jahr 2012 als Indiz für die immer besser funktionierende Arbeit der Strafverfolgungsbehörden beider Länder.

Als gelungenes Beispiel nannte der Leiter des Landeskriminalamtes Brandenburg (LKA), Dirk Volkmann, Ermittlungen gegen die sogenannte Wolomin-Bande aus Warschau, der der Diebstahl von über 50 Autos in Berlin und Brandenburg nachgewiesen wurde. Das Besondere daran war, dass polnische Ermittler am Tatort und deutsche Beamte bei Durchsuchungen in Warschau dabei waren. Beim Autodiebstahl in Brandenburg sei jeder dritte Tatverdächtige ein Pole, in den märkischen Grenzgemeinden liege diese Zahl bei 1,6.

Täter kommen nur zum Klauen kurz rüber

Die polnische Seite berichtete, dass Diebstähle in der polnischen Grenzregion 2012 leicht rückläufig waren. In der Woiwodschaft Lebuser Land wurden vergangenes Jahr 440 Autos gestohlen, 215 Fälle wurden aufgeklärt.

Bei grenzüberschreitenden Diebstählen haben Ermittler folgendes Vorgehen ausgemacht: Die Tat wird außerhalb Deutschland geplant und Mittäter im Ausland angeworben. Die Täter kommen nur zum Klauen und fahren sofort zurück.

In Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern seien inzwischen insgesamt weniger Diebstähle zu verzeichnen, was aber nicht für deren Grenzregionen zutreffe, sagte der LKA-Chef. Polizeiliche Maßnahmen dieser drei Länder mit der polnischen Polizei seien wirksam. Aber: „Vor uns liegt ein langer Weg.“

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