Im Spott-Modus in den Wahlkampf

[KT_BU]„Wollen Sie, dass diese beiden über Ihr Leben entscheiden?“ FDP-Chef Rösler projiziert unter dem Jubel des Parteivolks den politischen „Feind“ an die Wand.  Foto: Bernd von Jutrczenka
[KT_BU]„Wollen Sie, dass diese beiden über Ihr Leben entscheiden?“ FDP-Chef Rösler projiziert unter dem Jubel des Parteivolks den politischen „Feind“ an die Wand. Foto: Bernd von Jutrczenka

VonTim Braune
undChristoph Sator

Vier Monate vor der Wahl legt FDP-Chef Rösler richtig los. Mindestlohn, aber keine Frauenquote – und reichlich Hohn für den politischen Gegner. Sein Führungsstil kommt auf dem Nürnberger Parteitag an.

Nürnberg. Plötzlich sind sie da. Sigmar Gabriel und Claudia Roth im Doppelpack. Auf einem FDP-Parteitag, das gab's noch nie. Fallen die Liberalen jetzt vom schwarz-gelben Glauben ab und blinken mit der Ampel? In der Nürnberger Messehalle geht ein Raunen durch die voll besetzten Reihen. Aber – aus Sicht der FDP – alles nicht so schlimm: Das rot-grüne Paar ist zwar überlebensgroß zu sehen, aber nicht in echt. Sondern nur auf einem Foto vom jüngsten SPD-Parteitag,
das auf die beiden Riesenleinwände über der Bühne
projiziert wird.
„Macht mal die Augen zu“, ruft FDP-Chef Philipp Rösler den 660 Delegierten im Saal entgegen. Und dann: „Wollen Sie wirklich, dass diese beiden über Ihr Leben entscheiden?“ Die Antwort gibt Rösler dann selbst. „Wir wollen nicht, dass die beiden über uns entscheiden.“ Da jubelt das Parteivolk seinem Vorsitzenden zu.
Das ist schon beachtlich. Keine vier Monate ist es her, da wollten viele in der FDP ihren flapsigen Chef nur noch loswerden. Rösler galt als „Sprechautomat“ und leichtgewichtiger Sparringspartner für die Leute, die in Berlin wirklich das Sagen haben. Kaum jemand traute dem jetzt 40-Jährigen zu, die Partei im Herbst wieder in den Bundestag zu bringen.
Dann holte Rösler 9,9 Prozent in der Heimat Niedersachsen. Jetzt trägt er selbstbewusst den Kampfanzug. Keine Frauenquote mit der FDP, dafür einen „Mindestlohn light“. Und Rösler beschwört in Nürnberg eine geradezu märchenhafte Angst vor einer rot-grün-roten Abkassierer-Republik herauf. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sei „Nessie, das Monster von Loch Ness“, der grüne Spitzenmann Jürgen Trittin Räuber Hotzenplotz, der den Bürgern in die Tasche greife. Die Guten hingegen seien Schwarz-Gelb. Ihm bleiben vier Monate, um mehr als die aktuellen vier Prozent der Bevölkerung von der Botschaft zu überzeugen.

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