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Immer weniger Unternehmen bilden aus

Fachkräfte werden in Deutschland gesucht. Der Berufsbildungsbericht legt offen: Fünf Jahre nach dem Gesellenabschluss arbeitet heute jeder Zweite in einem völlig anderen Beruf als in dem gelernten.  FOTO: Stephanie Pilick
Fachkräfte werden in Deutschland gesucht. Der Berufsbildungsbericht legt offen: Fünf Jahre nach dem Gesellenabschluss arbeitet heute jeder Zweite in einem völlig anderen Beruf als in dem gelernten. FOTO: Stephanie Pilick

VonKarl-Heinz Reith

Es war wie immer beim jährlichen Berufsbildungsbericht: Wirtschaft und Regierung loben sich – Opposition und Gewerkschaften klagen. Dabei brechen immer mehr Azubis ohne Abschluss ab oder wechseln den Beruf.

Berlin.In Europa ist fast jeder vierte junge Mensch unter 25 arbeitslos. In Griechenland und Spanien ist es sogar mehr als jeder zweite. In Deutschland liegt die Jugendarbeitslosenquote gerade mal bei 7,6 Prozent. Das deutsche duale System der Berufsbildung mit dem engen Zusammenspiel von betrieblicher Ausbildung und staatlicher Berufsschule ist aus diesem Grund ins Blickfeld
vieler europäischer Regierungen geraten.

Kleinunternehmer ziehen sich besonders zurück
Tatsächlich scheint hierzulande jungen Menschen der Übergang von der Schule in den Beruf zur Zeit viel besser zu gelingen als in vielen anderen Industrienationen. Doch ein genauerer Blick in die vielen hundert Seiten des jetzt veröffentlichten Berufsbildungsbericht 2013 zeigt: Die Ausbildungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft ist auf einen neuen Tiefstand gesunken. Nur knapp 468 000 der annähernd rund 2,1 Millionen Firmen bilden überhaupt noch aus – was einer Quote von 21,7 Prozent entspricht (2009: 23,5 Prozent). Vor allem Kleinunternehmer ziehen sich zurück. Allerdings sind im Westen heute nur rund 60 Prozent der Unternehmen ausbildungsberechtigt, im Osten etwa
52 Prozent.
Was noch auffällt: Fünf Jahre nach dem Gesellenabschluss arbeitet heute jeder zweite junge Mensch in einem völlig anderen Beruf als in dem erlernten. Die Autobauer Ford und Opel galten zum Beispiel viele Jahre als die größten Beschäftiger von Bäckern und Metzgern in Deutschland. Doch muss man für eine sicherlich anstrengende und anspruchsvolle Arbeit am Fließband zunächst fünf Jahre in einer Backstube gelernt haben, fragen viele Bildungsexperten.
Dabei gibt es in der deutschen Berufsausbildung auch zahlreiche Vorzeigeprojekte, die international beeindrucken – etwa die schon vor Jahren völlig neu geordneten Metall- und Elektroberufe, in der Verwaltung, aber auch zum Teil im Handwerk. Allerdings wurden dabei die Qualifikationsanforderungen an die Bewerber Zug um Zug in die Höhe geschraubt. Hauptschüler finden sich dort immer seltener, die Regel ist mindestens Realschulabschluss, eher noch Abitur.

Bachelor-Studenten
brecher eher ab als Azubis
Während im Hotel- und Gastgewerbe etwa jede zweite Lehrling die Ausbildungvorzeitig und ohne Abschluss beendet, haben angehende Verwaltungsfachleute nur eine Abbruchquote von 3,7 Prozent. Auch bei Elektronikern liegt diese Quote gerade mal bei 4,8 Prozent.
Nimmt man alle Berufe zusammen, ist die Abbruchquote inzwischenmit 24,4 Prozentauf knapp ein Viertel gestiegen (2009: 22,1 Prozent). Das sind aber immer noch günstigere Werte als an den Hochschulen, wo im Jahr 2010 die Bachelor-Abbruchquote 28 Prozent betrug.

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