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Innenminister: Gaffer in den Graben kippen

Familie Albrecht gehört zu insgesamt 50 Bürgern, die in einer Sporthalle auf das Ende der Evakuierung ihrer vom Elbhochwasser bedrohten Stadt Mühlberg warten.
Familie Albrecht gehört zu insgesamt 50 Bürgern, die in einer Sporthalle auf das Ende der Evakuierung ihrer vom Elbhochwasser bedrohten Stadt Mühlberg warten.

Im Havelland könnte es bald nass werden. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke sieht nur noch eine 50-Prozent-Chance, dass bei Fischbeck in der Nähe von Jerichow die Elbdeiche halten. „Dort haben wir eine sehr kritische Situation“, sagte Woidke dem Uckermark Kurier. „Wenn der Deich dort bricht, haben wir im Havelland massive Probleme.“

Auch in der Prignitz herrscht weiter eine angespannte Lage. Woidke, der den ganzen Sonntag über im Katastrophengebiet unterwegs war, spricht von einer großen Herausforderung, vor der die Einsatzkräfte und Helfer rund um Wittenberge stehen. Dagegen hat sich die Situation an der Schwarzen Elster aus Sicht des Ministers entspannt. Und aus der Gegend um Mühlberg würden immerhin fallende Pegel gemeldet. „Den Katastrophenalarm und die Hochwasserwarnstufe vier werden wir aber sicher nicht vor einem Pegelstand von 8,50 Metern aufheben.“

Sorgen machen dem Innenminister die Schaulustigen, die mit ihren Fahrzeugen die Wege zu den Deichen verstopfen. „Wir können da auf niemanden Rücksicht nehmen“, sagte Woidke. „Wo es geboten ist, räumen wir die Wege frei – dann werden Privatfahrzeuge, die da nicht hingehören, auch mal in den Graben gekippt.“

Deiche bewacht

Für Diskussionen wie in der niedersächsischen Stadt Hitzacker, wo einem TV-Bericht zufolge über die Bereitstellung von Aussichtsplattformen für Schaulustige nachgedacht wurde, hat Woidke kein Verständnis. „Wir haben wirklich andere Sorgen“, so Woidke. „Ich wundere mich über die Entspanntheit, die es dort scheinbar gibt.“ Zu den aus Sachsen-Anhalt gemeldeten Drohbriefen, die Anschläge auf Deiche ankündigten, sagte der Minister: „Ich hoffe, dass es solche Verrückte hier bei uns in Brandenburg nicht gibt.“ Aber die Deiche in Brandenburg würden derzeit ohnehin durch Deichläufer und Sicherheitskräfte bewacht.

Angesichts der Kritik an veralteten Deichen, etwa entlang der Schwarzen Elster, betonte Woidke, dass Brandenburg den Hochwasserschutz weiter verbessern werde. „Wir werden die begonnenen Deichrückverlegungsprojekte zügig vollenden, wenn uns daran keine Einwände von Anwohnern hindern“, so Woidke. Bei Lenzen in der Prignitz, wo der Elbdeich in den letzten Jahren teils weiter ins Land verlegt wurde, zeige sich derzeit die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. „Mit dem alten Deich hätten wir hier massive Probleme gehabt.“ Nun seien dort 500 Hektar Fläche geflutet.
Insgesamt arbeite der Brandenburger Katastrophenschutz auf einem hohen Niveau, so Woidke.

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