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Kleingartenvereine in der Mark wollen junge Leute anlocken

Nur was für ältere Menschen? Abgesehen von Ausnahmen – wie in Templin – haben viele Vereine Nachwuchssorgen.
Nur was für ältere Menschen? Abgesehen von Ausnahmen – wie in Templin – haben viele Vereine Nachwuchssorgen.

Ein Kleingarten, das bedeutet Entspannung am Wochenende. Die eigene Parzelle macht aber auch Arbeit. Kein Wunder, dass viele Kleingartenvereine in Brandenburg  über Nachwuchsprobleme klagen.

Der Vorsitzende des Verbandes der brandenburgischen Gartenfreunde, Bernd Engelhardt, bestätigt den fatalen Trend. Etwa 40 Prozent der zur Zeit im Bundesland organisierten 66000 Pächter seien 60 Jahre und älter. Es gebe jedoch regionale Unterschiede. „Besonders im sogenannten Speckgürtel von Berlin ist die Nachfrage groß“, sagt er. Dagegen stünden in der Prignitz bis zu 18 Prozent der Parzellen leer.
Auch die Verbände in Frankfurt/Oder, Guben und Forst klagten über Mitgliederschwund, sagt der Kreisvorsitzende der uckermärkischen Gartenfreunde, Klaus Tschernitz.

"Vereinsmeierei" schreckt junge Leute ab

Offensichtlich schrecke junge Leute die „Vereinsmeierei“ ab, sagt Engelhardt. In spätestens fünf bis sechs Jahren müsse mit größerem Leerstand in den Anlagen gerechnet werden, sollten nicht wieder mehr junge Familien für die Arbeit auf der eigenen Parzelle begeistert werden. „Sind sie dann Mitglieder, erkennen sie den Nutzen des Vereins“, schätzt er ein. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, dazu Erholung und Entspannung würden immer mehr geschätzt. Platz gibt es genug;1300 Vereinen sind in der Mark organisiert. Sie nutzten 4100 Hektar.

Wenn da nicht die Regeln wären. Laut Bundeskleingartengesetz muss ein Drittel der kleinen Scholle bewirtschaftet werden. Wenn jungen Gärtnern dafür die Zeit fehle, könne das im Verein ausgeglichen werden. Ältere Pächter mit mehr Muße bauten dann mehr Obst oder Gemüse an.

Gemüse aus dem Garten ersetzt manchen den Einkauf

Es gibt aber auch positive Beispiele weitab von Berlin, die gegen den Trend ein reges Laubenpieper-Leben verzeichnen. So plagen etwa den Verein „Am Egelpfuhl“ in Templin (Uckermark) keine Nachwuchssorgen. „Wir können über das Interesse jüngerer Pächter am Vereinsleben nicht klagen“, sagte Vorsitzender Jens Harnisch. Gerade in Zeiten, in denen Lebensmittel teurer würden, schätzten viele den Ertrag aus dem Garten.

Auch in Cottbus gibt es nach Auskunft des Kreisverbandes kaum Leerstand. In den 73 Anlagen wechselten jedes Jahr bis zu 200 Gärten ihre Pächter. „Wir beobachten seit 1990 eine hohe Fluktuation“, sagt Geschäftsführer Henry Brotzmann. Gemeinsam mit der Stadt sei ein Konzept erarbeitet worden. So soll es „Schnuppergärten“ für Studenten oder Seniorengruppen geben. Die können dann erst einmal testen, ob ihnen die Gartenarbeit überhaupt liegt.

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