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„Leerstellen“-Deutschland buhlt um Südeuropa-Azubis

Die beiden Spanier Alvaro Hernandez (links) und Peio Mardaraz arbeiten bei der Firma b.i.g. in Karlsruhe. Hernandez soll bei der Firma eine Ausbildung zum Fachinformatiker, Mardaraz zum Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme machen. Mit einem Förderprogramm wirbt Deutschland um Lehrlinge aus anderen EU-Ländern – vor allem aus Südeuropa.  Foto: Uli Deck
Die beiden Spanier Alvaro Hernandez (links) und Peio Mardaraz arbeiten bei der Firma b.i.g. in Karlsruhe. Hernandez soll bei der Firma eine Ausbildung zum Fachinformatiker, Mardaraz zum Elektroniker für Gebäude und Infrastruktursysteme machen. Mit einem Förderprogramm wirbt Deutschland um Lehrlinge aus anderen EU-Ländern – vor allem aus Südeuropa. Foto: Uli Deck

VonEdgar Bauer

Mit einem Förderprogramm wirbt der Bund um Lehrlinge aus anderen EU-Ländern – vor allem aus Südeuropa. Dort stehen viele Jugendliche auf der Straße. Deutsche Betriebe klagen dagegen immer lauter über Bewerbermangel.

Bonn.Viele Ausbildungsplätze bleiben in Deutschland unbesetzt, weil es an geeigneten Bewerbern fehlt. Die Klagen aus Branchen wie der Gastronomie werden lauter. Nun sollen neben Fachkräften auch Lehrlinge aus Südeuropa angelockt werden. Läuft alles nach Plan, dann werden erstmals zum neuen Ausbildungsjahr im Herbst voraussichtlich einige hundert junge Menschen aus anderen EU-Ländern mit finanzieller Förderung des Bundes eine Lehrstelle antreten.
Das Bundesarbeitsministerium legte Anfang des Jahres ein Programm auf, mit dem eine betriebliche Ausbildung gefördert wird. Mit der Übernahme von Kosten und einer höheren Ausbildungsvergütung als für deutsche Lehrlinge soll jungen Menschen ab 18 Jahren eine Ausbildung in der Bundesrepublik schmackhaft gemacht werden.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fliegt zudem heute nach Madrid, um eine Absichtserklärung zu unterzeichnen, in der sich Deutschland und Spanien verpflichten, gemeinsam mehr junge Leute in Arbeit oder Ausbildung zu bringen. Im krisengeschüttelten Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 56 Prozent, in Deutschland bei 7,6 Prozent.
33 000 Lehrstellen blieben im vergangenem Jahr hier zu Lande unbesetzt, vor allem im Lebensmittelhandwerk und in der Gastronomie. Zudem ist hier die Zahl der Ausbildungsabbrecher hoch.
Die Anwerbung von Lehrlingen ist Teil des Mobilitätsprogramms „MobilPro-EU“, mit dem die Bundesregierung auch Fachkräfte aus anderen EU-Ländern gewinnen will. Bundesweit ist das Programm in der Startphase, vor allem in Baden-Württemberg gibt es Vorreiter. Einen Massenansturm gab es bislang nicht. Rund 400 Anträge von Bewerbern auf Förderung liegen aktuell bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) in Bonn.

Bund bezahlt Sprachkurse und Deutschunterricht
In der einstigen Hauptstadt sind es bisher rund 30 Hotels oder Restaurants, die sich für einen Lehrling aus Barcelona interessieren – der Region, auf die sich die dortige Industrie- und Handelskammer konzentriert.
Größtes Hindernis sind allerdings fehlende Sprachkenntnisse. „Es nutzt nichts, wenn hier ein junger Spanier in der Berufsschule sitzt und nichts versteht“, erklärt der IHK-Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung, Jürgen Hindenberg. Vorabsprachkurse und Deutschunterricht während der Ausbildung werden vom Bund bezahlt.
Bis zu 818 Euro im Monat soll an Ausbildungsvergütung gezahlt werden, wobei die jeweilige Entlohnung durch den Arbeitgeber aufgestockt wird. Da die Tarifvergütungen etwa für Köche oder Bäcker weit darunter lägen, könne es hier eine „massive Alimentierung von Betrieben und Mitnahmeffekte geben“, kritisierte der SPD-Bundestagsabgeordnete Willi Brase aus Siegen.
Der Berufsbildungsexperte sieht das Programm kritisch.Der Bedarf solle mit den hier lebenden Jugendlichen gedeckt werden, verlangt Base. Fast 270 000 junge Menschen befinden sich in Warteschleifen des Übergangssystems, etwa Berufsvorbereitungskursen. Allein im vergangenem Jahr kamen 76 000 Lehrstellenbewerber nicht zum Zuge. „Die können nicht als ausbildungsunfähig abgeschrieben werden. Da muss auch mal ein Schwächerer genommen werden.“

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