Nordkurier.de

Lohnt sich Bio für Landwirte noch?

Mehr als sieben Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für Bio-Produkte aus – Tendenz steigend.  FOTO: Andrea Warnecke
Mehr als sieben Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für Bio-Produkte aus – Tendenz steigend. FOTO: Andrea Warnecke

VonRasmus Buchsteiner

Geht der Boom der Öko-Landwirtschaft an den deutschen Bauern vorüber? Eine Studie schlägt Alarm.

Berlin.Aktuell kommt jede zweite Bio-Möhre nicht aus Deutschland, sondern aus Holland, Israel oder Italien. Jede dritte Öko-Kartoffel stammt aus Ägypten oder anderen Ländern. Die Potenziale, mit Obst und Gemüse aus ökologischer Produktion gutes Geld zu verdienen, werden von den hiesigen Landwirten bisher nicht genutzt.
Jetzt schlägt die Wissenschaft Alarm. „Der Ausbau des Bio-Landbaus in Deutschland stagniert und droht zu kippen“, heißt es in einer Studie der Bonner Friedrich-Wilhelms-Universität für die Grünen-Bundestagsfraktion: „Damit wird ein Wachstumsfeld ignoriert, in dem deutlich mehr Arbeitsplätze als in der konventionellen Landwirtschaft entstehen.“
Bio ist aus der kleinen Nische herausgekommen und inzwischen zu einem Markt mit einem Jahresumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro geworden – Tendenz steigend. Pro Jahr geben die Deutschen 73,50 Euro für Öko-Produkte aus – ein Wert, der deutlich über dem europäischen Schnitt von 28 Euro liegt. Kehrseite des Öko-Booms: lange Transportwege, hohe Importquoten.
Mehr und mehr geraten die ambitionierten Öko-Ziele der Bundesregierung, etwa die Erhöhung des Anteils der Bio-Äcker in Deutschland auf 20 Prozent, in weite Ferne. Offenbar rechnet sich Öko für die deutschen Bauern nicht überall wie erhofft. Bio-Anbauflächen werden wieder umgewidmet in konventionelle Äcker. Laut Studie ging der Öko-Anteil zuletzt etwa in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sogar wieder zurück. Dagegen haben die Biolandbauflächen in Polen und den baltischen Staaten seit 2004 um bis zu 500 Prozent zugenommen.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) beobachtet die Entwicklung nicht ohne Sorge. Ziel der Bundesregierung sei es weiter, dass Deutschland die Nachfrage nach Bioprodukten soweit es geht selbst bedient. Die Grünen dagegen sehen Versäumnisse bei Aigner. „Die Bundeslandwirtschaftsministerin hat in Brüssel bei der Reform der Agrarpolitik versagt“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Der Bund muss nun seine Gelder gezielt ausrichten und verstärkt auf Öko-Landwirtschaft und Umweltmaßnahmen setzen, so die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×