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Max wer? Nachwuchstalent gegen SPD-Riese Steinmeier

Der 23-jährige Student Max Koziolek tritt bei der Bundestagswahl für die FDP an.
Der 23-jährige Student Max Koziolek tritt bei der Bundestagswahl für die FDP an.

Es klingt nach einem ungleichen Kampf mit vorhersehbarem Ergebnis: Der 23 Jahre alte Max Koziolek will als Direktkandidat für die FDP in den Bundestag – und tritt dafür im gleichen Brandenburger Wahlkreis an wie der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Der hatte jenen Wahlkreis 60, der das Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und die Stadt Brandenburg (Havel) umfasst, 2009 haushoch gewonnen. Niemand zweifelt daran, dass Steinmeier das auch in diesem Jahr wieder schafft.

Doch wer seinen jungen Herausforderer Koziolek kennenlernt, merkt schnell, dass der smarte Jurastudent mehr ist, als ein Statist. „Vielleicht ist mein Mangel an Erfahrung im Politikbetrieb ganz hilfreich, und den Leuten gefällt ein junges, engagiertes Gesicht, das nicht mit den üblichen Floskeln kommt“, kokettiert der gebürtige Berliner, der seit 2009 an der Frankfurter Europa-Universität Viadrina studiert. Für die Hochschule an der deutsch-polnischen Grenze hat er sich bewusst entschieden, wie Koziolek sagt.

Politisch engagiert an der Viadrina

Mit einem hervorragenden Abidurchschnitt hätte er sich auch eine renommiertere Uni aussuchen können. Er aber nahm die Viadrina, die in Hochschul-Rankings seit Jahren gut wegkommt und deren noch immer „familiäre Atmosphäre“ der junge Brandenburger ebenso schätzen gelernt hat wie die Nähe zu Polen. „Man trifft irgendwie immer jemanden, den man kennt“, sagt Koziolek, der seine Polnischkenntnisse erst kürzlich bei einem Praktikum in einer großen Warschauer Kanzlei vervollkommnet hat.
An der Viadrina hat sich der Jurastudent, der in einer Studenten-WG lebt, auch politisch engagiert, unter anderem im Allgemeinen Studentenausschuss und im Studentenparlament.

Unbeleckt in Sachen Politik ist der großgewachsene, sportliche Dunkelhaarige nicht. Im Jahr 2006 wurde er Landessieger im Schüler-Wettbewerb „Jugend debattiert“ – für ihn einen Initialzündung. „Um mich darauf vorzubereiten, musste ich mich viel mit Politik beschäftigen.“ Bei den Debatten merkte er, dass ihm die Positionen der FDP lagen. Es folgte ein Bundestags-Praktikum bei der FDP, seit 2008 ist er Mitglied und seit der letzten Kommunalwahl sitzt Koziolek zudem für die Partei im Stadtparlament von Falkensee, wo er aufgewachsen ist.

„Das war kein Zwang, sondern eine logische Folge“, sagt er, der seit drei Jahren auch Mitglied im Brandenburger Landesvorstand der FDP ist. Dass er zwischen der Kommunalpolitik in Falkensee und dem Studium in Frankfurt pendeln muss, macht ihm nichts aus. Im Gegenteil: „Diese gewisse Draufsicht mit räumlichem Abstand ist sehr hilfreich“, sagt er.

Über seine Chancen macht er sich keine Illusionen

Dass er dennoch gegen Steinmeier im Bundestagswahlkampf quasi keine Chance haben wird, ist auch Koziolek bewusst. „Ich mache mir da auch keinerlei Illusionen, will den Wahlkampf dennoch nutzen, um liberale Politik zu erklären.“

So eine Direktkandidatur ist mit viel Arbeit verbunden, weiß der 23-Jährige, der mit seinem Zwillingsbruder bei der alleinerziehenden Mutter, einer Lehrerin, aufgewachsen ist. „Du musst Gesicht und Präsenz zeigen, mit den Leuten ins Gespräch kommen, weil über den persönlichen Kontakt viel zu erreichen ist.“

Die seiner Ansicht nach ungerechten GEZ-Gebühren sind eines seiner Themen. „Wenn dort nicht reformiert wird, kann es irgendwann fürchterlich knallen.“ Ein anderes Thema ist der Datenschutz im Internet. Damit hat sich der angehende Jurist im 8. Semester bereits wissenschaftlich im Rahmen seines Studiums befasst. Ganz unbekannt sei er durch seine kommunalpolitische Arbeit ja nicht mehr, und durch seine Jugend falle er einfach auf, glaubt Koziolek.

„Das ist kein Nachteil, gerade mit Blick auf den demografischen Wandel kann ich die Interessen der jüngeren Generation in die Politik einfließen lassen.“ Nicht die Erfahrungen seinen ausschlaggebend, sondern Menschen mit Argumenten zu überzeugen, glaubt er, der für die FDP von der Europa- bis zur Bürgermeisterwahl in der Vergangenheit schon alles mitgemacht hat.

Auf verbale Auseinandersetzungen mit dem früheren Außenminister Steinmeier freut er sich jetzt schon, obwohl der Bundestagswahlkampf wohl erst im Spätsommer in die heiße Phase gehen wird. „Gegen Peer Steinbrück wäre es deutlich einfacher. Der lässt ja kein Fettnäpfchen aus“, sagt Koziolek selbstsicher. Er glaubt, sich in den großen bundespolitischen Themen gut auszukennen. Steinmeier ist für ihn der eigentliche SPD-Spitzenkandidat.

Auch wenn der Student in diesem Duell wohl den kürzeren ziehen wird – in den Bundestag kommt er möglicherweise trotzdem, als dann jüngster Abgeordneter. Koziolek steht auf einem aussichtsreichen zweiten Listenplatz der Brandenburger FDP. Diese Sitze werden nach Prozenten verteilt. Wenn die Liberalen im Land an die sieben Prozent holen würden, könnte es für ihn reichen.

Berufspolitiker? Lieber nicht!

Brandenburg sei kein FDP-Stammland und daher abhängig vom Bundestrend, glaubt er. Auf Bundesebene habe „seine Partei“ viel erreicht: die Abschaffung der Praxisgebühr etwa oder 14 Milliarden Euro Mehrausgaben für Bildung und Forschung. Berufspolitiker will Koziolek trotz aller Leidenschaft für Politik aber nicht werden, das mache „zu abhängig“.

Nach der Wahl will er sich vollkommen auf seinen Uni-Abschluss konzentrieren, im nächsten Frühjahr steht das Staatsexamen an. Und dafür heißt es büffeln. Ob er später als Richter oder Rechtsanwalt tätig sein will, weiss Koziolek noch nicht.

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