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Merkel will ihren Titel als „Klimakanzlerin“ zurück

Merkel und Umweltminister Altmaier: Ein sensibles Thema ist der Handel mit C0 2 -Verschmutzungsrechten.  FOTOs:  Kay Nietfeld
Merkel und Umweltminister Altmaier: Ein sensibles Thema ist der Handel mit C0 2 -Verschmutzungsrechten. FOTOs: Kay Nietfeld

VonGeorg Ismar

Bald ist Bundestagswahl. Da passt es gut, dass Angela Merkel mal wieder mit einer Rede zum Klimaschutz zeigen kann, dass ihr das Thema wichtig ist. Sie warnt vor dramatischen Kosten, wenn es nicht bald einen Weltklimavertrag gibt.

Berlin.Dieser Tisch erscheine ja relativ unscheinbar, meint Angela Merkel in dem unterirdischen, von einer gläsernen Decke überwölbten Konferenzzentrum am Brandenburger Tor. „Aber um ihn herum sitzen 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen“, sagt die Kanzlerin. „Sie und ihre Regierungen, wir alle haben es in der Hand.“
So bietet ihr der vierte Petersberger Klimadialog am Montag eine willkommene Gelegenheit, mal wieder die „Klimakanzlerin“ zu geben. Doch im Raum steht auch die Frage: Ist Deutschland unter der schwarz-gelben Koalition überhaupt noch ein Vorreiter? Mit dem Treffen von rund 35 Staaten wird seit 2010 der jeweils nächste
UN-Klimagipfel vorbereitet. Dieses Jahr findet er im November ausgerechnet in Polen statt, das über 80 Prozent der Energie in Kohlekraftwerken produziert. Deswegen blockiert es das EU-Ziel, die Reduktion der Emissionen bis 2020 von 20 auf
30 Prozent anzuheben.
Die Kanzlerin will hier im Plenum zeigen, dass ihr das Thema Klimaschutz weiter am Herzen liegt. Einig sei man sich inzwischen, dass die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden solle, meint Merkel. Strittig sei aber schon die Umrechnung, wievielKohlendioxid noch in die Atmosphäre geblasen werden darf, um das Ziel zu schaffen.
Länder wie der größte Klimasünder China finden, dass vor allem die Industriestaaten mehr tun müssten. Merkel sagt, ein Ansatz für das Zwei-Grad-Ziel sei, dass jeder Einwohner der Erde umgerechnet nur noch zwei Tonnen CO2pro Jahr ausstoßen dürfe. Indien sei dafür, aber weder Europäer noch die USA seien von dem Ansatz bisher sehr begeistert. Deutschland lag zuletzt bei elf, die USA bei 20 Tonnen.
Merkel sorgt sich, ob der bis 2015 geplante Weltklimavertrag zustande kommt, der erstmals für über 190 Staaten verpflichtende Minderungsziele festlegen soll.
Im Fokus des Petersberger Klimadialogs steht auch der EU-weite Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten – eine Reform wurde zuletzt auch durch die deutsche Uneinigkeit blockiert, weshalb Klimaexperte Martin Kaiser von Greenpeace betont: „So wird der Emissionshandel in Europa dank der Klimakanzlerin beerdigt“. Und das in einer Phase, in der China gerade ein ähnliches Klimaschutz-Instrument aufbaue. Für Regine Günther vom WWF ist Merkel nur noch die „Klimakanzlerin a.D.“.

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