Nordkurier.de

Platzeck beharrt auf der Schließung Tegels

Der Bau des Berliner Großflughafens BER ist im letzten Monat offenbar nicht nennenswert vorangekommen. „Am Baufortschritt hat sich nichts verändert, außer dass wir beginnen, die Bauarbeiten zu beschleunigen“, sagte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, Hartmut Mehdorn, im BER-Ausschuss des Potsdamer Landtags. „Natürlich wird gearbeitet.“ Aber derzeit sehe Berlin mit seinem Flughafen aus wie „Lumpi unterm Sofa“.

In der durch hohen Unterhaltungswert gekennzeichneten Sitzung wies Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zugleich Forderungen zurück, den Berliner Flughafen Tegel länger offen zu halten. Niemand habe dies vor oder habe im Aufsichtsrat einen entsprechenden Antrag gestellt, sagte Platzeck. Doch noch am Freitag hatte sich der Montag vier Plätze neben ihm sitzende Hartmut Mehdorn genau dafür ausgesprochen.

Im Aufsichtsrat bisher nicht durchsetzbar war auch die für Oktober geplante vorzeitige Umsetzung des Nachtflugverbots in Schönefeld – obwohl dort jede Nacht nur zwei bis drei Maschinen starten.

Mehrdorn: "Gewisser Peitschenknall nötig"

Mehdorn, der den Abgeordneten vorwarf, sich „stark durch Zeitungsmeldungen beeindrucken“ zu lassen, betonte im Ausschuss, dass ihm „Befindlichkeiten aus der Vergangenheit“ egal seien.Er habe nicht vor, die umstrittene Planungsgesellschaft „Gerkan, Marg und Partner“ zurück in das Projekt zu holen. „Aber es gibt viele Leute, die hier früher aktiv leitend mitgearbeitet haben“, sagte Mehdorn. „Und wenn ich welche finde, die mir helfen können, dann hole ich die mir.“

Nötig sei ferner auch ein gewisser „Peitschenknall“. Dafür habe er den auch mit dem Bau des Berliner Hauptbahnhofs beschäftigten Planer Hany Azer geholt. „Wenn Sie nicht wissen, wen sie jagen müssen, dann können Sie auch keinem in den Hintern treten“, sagte Mehdorn. Zu Azers Aufgaben gehöre etwa, die Baustelle „auch optisch freizuschalten“.„Wir sind keine Baustelle mehr, wir kümmern uns ganz gezielt um die Funktionalität der Systeme“, so Mehdorn. „Da muss nicht an jeder Ecke eine Dixie-Toilette stehen.“

Nur sechs Asylbewerber in Aufnahmeeinrichtung

Bereits funktionsfähig ist dagegen die im August 2012 als erster Teil des neuen Großflughafens eröffnete Aufnahmeinrichtung für Asylbewerber. Doch das vom Land Brandenburg für 15.500 Euro pro Monat gemietete Gebäude haben nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bislang erst sechs Asylbewerber genutzt. Brandenburg sei jedoch gesetzlich verpflichtet, das Flughafenverfahren durchzuführen.

Auf Kritik stießen die Zahlenangaben beim Vorsitzenden der Landtagsfraktion der Grünen, Axel Vogel. Durchschnittlich habe jede Übernachtung in der Aufnahmeeinrichtung 6400 Euro gekostet. Das führte Vogel zu der Frage: „Sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?“

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×