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„Reinheitsgebot ist ein wichtiges Kulturgut“

Die umstrittene Gasförderung aus tiefem Gestein würde nach Ansicht der Brauer das deutsche Bier gefährden. Mit Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds,
Peter Hahn sprach Rasmus Buchsteiner.

Warum halten Sie das Gas- Fracking für eine Gefahr für das Reinheitsgebot beim Bier?
Das Reinheitsgebot von 1516 schreibt uns vier natürliche Zutaten für die Herstellung von Bier vor. Die wichtigste ist klares, reines Brunnenwasser. Wir wollen auch in Zukunft Trinkwasser ohne jegliche Belastung durch Chemikalien für den Brauprozess verwenden. Von den 1339 Braustätten in Deutschland haben ungefähr die Hälfte eigene Brunnen. Und wenn in deren Nähe mittels Fracking Erdgas gefördert würde, könnte es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Wasserqualität kommen. Das müssen wir verhindern!

Die Koalition will Fracking in Wasserschutzgebieten und in Einzugsgebieten von Trinkwasserseen verbieten. Was fordern Sie?
Das Verbot auf einige wenige Schutzgebiete zu begrenzen, reicht bei weitem nicht aus. Es besteht ein weiterer Klärungsbedarf in Sachen sicheres unbelastetes Trinkwasser. Bis das geklärt ist, benötigen wir ein Moratorium, ein Verbot von Fracking hier bei uns in Deutschland. Die Fraktionen haben uns zugesagt, dass unsere Bedenken berücksichtigt werden. Der jetzige Kompromiss reicht nicht aus. Wir brauchen Sicherheit und Risikovorsorge. Sollte es zu Verunreinigungen bei Brauwasserbrunnen kommen, muss es möglich sein, Schadensersatzforderungen geltend zu machen. Dafür benötigen wir auch eine Beweislastumkehr. Es kann nicht sein, dass die Brauereien auch noch den Urheber von Verunreinigungen überführen müssen.

Was erwarten Sie nun von Kanzlerin Angela Merkel?
Sie sollte das Thema zur Chefsache machen. Frau Merkel wird sich damit auseinandersetzen müssen. Schließlich müssen die geplanten Gesetzesänderungen vom Bundeskabinett beraten und auf den Weg gebracht werden. Das Reinheitsgebot ist ein wichtiges Kulturgut, das gesichert werden muss. Fracking bleibt ein schwerer Eingriff in die Natur. Die Bundeskanzlerin sollte unsere Bedenken ernst nehmen. Wir benötigen zusätzliche Schutzmechanismen für unser Brauwasser.

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