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Sandsäcke, Bußgelder und zwischendurch ein Wunder

Sandsäcke füllen und Sandsäcke schleppen, gegessen und getrunken wird in Wittenberge (Prignitz) fast nebenbei – der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag ist da eine schöne Abwechslung. Fast ohne Pressebegleitung spricht sie mit den meist jungen Leuten und schüttelt viele Hände. An der einen oder anderen Stelle ist Beifall zu hören. Merkel ist erneut in der Hochwasserregion unterwegs.

Der Landkreis Prignitz hat unterdessen wegen des Hochwassers verboten, die Elbe-Deichanlagen zu betreten. Auch Bußgelder drohen. Polizeibeamte kontrollierten die Einhaltung, teilte Landrat Hans Lange nach der Sitzung des Krisenstabes in Perleberg mit. Katastrophen-Touristen hätten seit Beginn des Hochwassers immer wieder die Arbeit der Einsatzkräfte behindert. „Mancher Gaffer ist sogar auf die Sandsackwälle gestiegen. Das geht überhaupt nicht“, betonte Lange. „Polizeibeamte werden das Betretungsverbot durchsetzen. Nur Helfer kommen auf die Deiche“, ergänzte der Hochwasserberater des Landkreises, Bernd Lindow. 130Polizeibeamte patrouillierten seit Montag, teilte ein Sprecher mit. Die Polizei nehme außerdem Anschlagsdrohungen auf Deichanlagen ernst. Bisher sind in Brandenburg aber keinerlei Vorkommnisse bekannt, teilte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement, mit. Die Behörden seien dabei, den Hintergrund der Drohungen zu ermitteln.

Einsatzkräfte haben bis zum Montag allein in der überfluteten Region Prignitz eine Million Sandsäcke befüllt und eingesetzt. Am Sonntagabend sei den Helfern jedoch der Nachschub in Wittenberge ausgegangen, teilte Landrat Lange mit. Daraufhin habe sich Landesinnenminister Dietmar Woidke persönlich ans Telefon gesetzt und neue Säcke geordert. Am Montagmorgen seien dann weitere 300000 Sandsäcke geliefert worden. Obwohl der Hochwasserstand am Pegel Wittenberge leicht rückläufig war, wollte der Landrat noch nicht von einer entspannteren Situation sprechen.

Die Kleinstadt Mühlberg ist erneut vom Hochwasser der Elbe verschont geblieben. Wie schon bei der Flut 2002 ist dies dem Einsatz Tausender Helfer zu verdanken. Das „Wunder von Mühlberg“ hat sich also wiederholt. Die Bewohner kehren in ihre tagelang verwaisten Wohnungen und Häuser zurück. Zuvor hatte der Landrat des Elbe-Elster-Kreises für Montagnachmittag den Beschluss zur Evakuierung aufgehoben.
 

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