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„Selbstanzeige kommt zu spät“

Dieter Ondracek  FOTO: Hildenbrand
Dieter Ondracek FOTO: Hildenbrand

Mit Dieter Ondracek, dem Ehrenvorsitzenden der Deutschen Steuergewerk-
schaft DSTG, sprach Korres-
pondent Christoph Slangen.

Das gescheiterte Steuerabkommen mit der Schweiz sah vor, dass dortige Banken Steuern auf Schwarzgeld an den deutschen Fiskus überwiesen hätten. Wäre das nicht die effektivste Methode im Kampf gegen Steuerhinterziehung?
Das Steuerabkommen hatte nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Es wäre eine Amnestie durch die Hintertür gewesen. Die Steuerhinterzieher hätten anonym bleiben können. Die Steuernachzahlung war es nicht wert, den Anspruch des Staates auf gerechte Besteuerung aufzugeben.

Vor allem Nordrhein-Westfalen setzt auf den Ankauf von Bankdaten, um Steuerflüchtlinge zu enttarnen und andere zu verunsichern. Wie erfolgreich können diese punktuellen Aktionen sein?
Ich glaube, dass solche Datenankäufe Wellen von Selbstanzeigen auslösen. Aber man muss klar sehen: Wer sich bis jetzt noch nicht angezeigt hat, gehört zu den ganz Hartgesottenen. Diese Leute haben alle Warnschüsse ignoriert. Sie glauben, besonders clever zu sein und ihr Geld im sicheren Hafen zu haben. Es gibt diesen sicheren Hafen nicht. Uli Hoeneß, einer der Hartgesottenen, hat gepokert und auf den Abschluss des Schweizer Steuerabkommens gehofft. Doch diese Hilfe der Politik gab es nicht. Mit seiner Selbstanzeige ist er möglicherweise zu spät gekommen.

Warum vermuten Sie, dass die Selbstanzeige zu spät gekommen sein könnte?
Es ist ungewöhnlich, dass es nach einer Selbstanzeige zu einer Durchsuchung kommt, wie offenbar im Fall Hoeneß. Irgendetwas ist nicht plausibel gewesen: Entweder gibt es Hinweise, dass er nicht alle hinterzogenen Steuern erklärt hat. Oder man geht davon aus, dass er bereits wusste, dass eine Ermittlung gegen ihn kurz bevor stand oder schon lief.

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