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Seltsamer Streit um Sohn: Samenspender im Recht

VonDiana Niedernhöfer

Ein Schwuler ringt mit einem lesbischen Paar um seinen Sohn. Jetzt hat der Bundesgerichtshof zu seinen Gunsten entschieden.

Karlsruhe.Als der schwule Freund dem lesbischen Paar ein Glas mit seinem Sperma überreicht, geht für die Frauen alles nach Plan: Ein Kind wird geboren. Es soll in ihrer Lebenspartnerschaft aufwachsen, die zweite Frau den 2008 geborenen Jungen adoptieren. „Einen anonymen Samenspender wollten wir nicht. Das Kind sollte die Möglichkeit haben, seinen Vater zu kennen“, erklärt die Mutter des Jungen nach der Gerichtsverhandlung am Bundesgerichtshof. Doch dann will der biologische Vater plötzlich nicht mehr mitspielen und gegen die vermeintliche Vereinbarung in die Vaterrolle schlüpfen.
Der beste Freund des Paares übernimmt daraufhin die Vaterschaft. Er sei nun „der Hüter der kleinen Familie“, wie der Anwalt der Frauen, Matthias Siegmann, es formuliert. Das Paar aus Köln hat mittlerweile zwei Kinder – ein 2010 geborenes Mädchen ist von der Partnerin bereits adoptiert worden.
Der Erzeuger des ersten Kindes hat jetzt die Vaterschaft des „Hüters“ angefochten. Doch das kann nach dem Gesetz nur ein Mann, der der Mutter „beigewohnt“ hat. Dennoch bekomme der Mann Recht, entscheiden die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
Die Richter zeigen zwar Verständnis für die Ängste der Frauen. „Dennoch ist es rechtsmissbräuchlich, einen Mann als gesetzlichen Vater einzusetzen, nur um den biologischen Vater an einer Anfechtung zu hindern“, sagt der Vorsitzende Richter Hans-Joachim Dose bei der Urteilsbegründung. Er weist darauf hin, dass eine Adoption des Kindes durch die Partnerin zur Not auch ohne Einwilligung des gesetzlichen Vaters möglich sei.
Was wie ein bizarrer Einzelfall erscheint, könnte künftig häufiger vorkommen: „Diese Art der künstlichen Befruchtung ist bei jüngeren lesbischen Paaren durchaus üblich“, sagt die Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Renate Rampf. Der LSVD schätzt, dass etwa 30 000 Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben. Um Probleme wie bei dem Kölner Paar zu vermeiden, sollten Homosexuelle wie Ehepartner automatisch als Eltern anerkannt werden, wenn ein Kind in ihre Lebenspartnerschaft hineingeboren werde.
Doch davon ist der Gesetzgeber weit entfernt, tut er sich doch fast immer schwer bei der Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften.

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