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Szenen der Macht: Keine Quote für das schwache Geschlecht

Ursula von der Leyen verfolgt die Debatte regungslos. Eine Verräterin wird sie an diesem Tag im Bundestag im Ringen um die Frauenquote genannt. Offen von der SPD, weil sie als CDU-Vize gegen eine gesetzliche Regelung stimmt, obwohl sie eine glühende Verfechterin einer festen Quote ist. Versteckt von der CDU, eben weil sie eine glühende Verfechterin einer festen Quote für Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Unternehmen ist und gedroht hatte, mit der Opposition zu stimmen.
Die ehrgeizige Arbeitsministerin sitzt mit verschränkten Armen vorne auf der Regierungsbank links außen, während ihre Rivalin, Frauen- und Familienministerin Kristina Schröder (CDU), mit der gemeinsamen Chefin lacht. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel hätte wie Schröder lieber nur eine sogenannte „Flexi-Quote“. Eine Quote, die die Unternehmen selbst bestimmen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nennt Schröder deshalb eine „sogenannte Frauenministerin“. Mit ihrem Modell blieben Frauen in den Startlöchern stecken.
Schröder revanchiert sich später mit dem Vorschlag, SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück solle doch seinen Aufsichtsratsposten bei Borussia Dortmund für eine Frau freimachen.
Sie haben es wieder nicht geschafft, die Frauen, das sogenannte schwache Geschlecht. Monatelang haben sie über die Parteigrenzen hinweg im Verborgenen beraten, wie sie eine gesetzliche Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen noch in dieser Wahlperiode durchsetzen können. Noch am Montag saß Rita Pawelski (CDU) mit Sibylle Laurischk (FDP), Dagmar Ziegler (SPD) und Ekin Deligöz (Grüne) zusammen und träumte davon, an diesem Donnerstag die gesetzliche Quote zu beschließen. Zeitgleich kaufte Merkel den Unionsfrauen mit einem Kompromiss den Beschluss ab.
Statt mit der Opposition, die im Bundesrat von zwei CDU-geführten Landesregierungen unterstützt worden war, eine Quote von 20 Prozent ab 2018 und 40 Prozent ab 2023 auf den Weg zu bringen, versprach Merkel, eine feste Quote von 30 Prozent ab 2020 ins Wahlprogramm zu schreiben. Sie wollte das Zepter in dieser Frauensache selbst in der Hand behalten. Pawelski und Co willigten ein.

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