
| Seit 50 Jahren im Heiligen See |
von Redaktion
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Eineinhalb Stunden lang müssen die Taucher immer wieder unter Wasser: Das Seil um die historische Säule, die sie aus dem Heiligen See in Potsdam bergen wollen, rutscht einfach immer wieder ab. Doch dann endlich hält der Knoten: Der Fahrer des Radladers am Ufer, an dem das Seil befestigt ist, bekommt von den Tauchern ein Zeichen und rollt langsam los. Zentimeter für Zentimeter zieht er das 300 Kilogramm schwere Sandsteingebilde aus dem Wasser. Rund 50 Jahre lang lag das Säulenstück aus dem 18. Jahrhundert im See, nun kann es wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückgebracht werden.
Einst gehörte es zum Ensemble rund um das Marmorpalais direkt am Heiligen See, wie Olaf Saphöster von der Abteilung Baudenkmalpflege der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) erklärt. Gemäß der damaligen Vorliebe ließ König Friedrich Wilhelm II. 1787 bis 1793 neben dem Schloss im Neuen Garten eine Art Tempelruine in klassizistischer Bauweise errichten. Darin war die Küche untergebracht, die durch einen unterirdischen Gang mit dem Palais verbunden war. Um den Tempel noch authentischer aussehen zu lassen, platzierte man davor wie zufällig einige antik wirkende Säulenstücke.
Wie genau die Säule und zahlreiche andere Sandsteinteile aus dem Umfeld des Marmorpalais' in den Heiligen See geraten sind, ist nicht belegt. Allerdings muss es in der Zeit passiert sein, als die Sowjetarmee den Neuen Garten und damit auch das Palais besetzt hielt, also zwischen 1945 und 1952, wie SPSG-Fachbereichsleiter im Neuen Garten, Sven Kerschek, sagt. Mehrere Teile der Balustrade und der Treppen landeten damals im Wasser, vielleicht aus Wut über die Deutschen oder aus einer Trinklaune heraus.
15 Treppenabsätze und Geländerteile aus dem Wasser geborgen
Das geborgene Säulenstück wurde einige Meter entfernt vom Ufer gefunden. Auch der stärkste sowjetische Soldat hätte den 300-Kilo-Brocken dort nicht hinwerfen können. Auch dafür hat Kerschek eine mögliche Erklärung: Die Säule könnte im Winter auf das Eis des Sees gerollt worden und dann bei Tauwetter auf den Grund gesunken sein. Im vergangenen Sommer haben Mitarbeiter der Schlösserstiftung den gesamten Uferbereich abgetaucht und alle versunkenen Teile auf einer Karte markiert. Nach und nach zogen sie etwa 15 Treppenabsätze und Geländerteile aus dem Wasser. Geschadet hat den historischen Stücken das lange Bad im See nicht, wie Saphöster erklärt. „Im Wasser hält sich Sandstein sogar besser als an Land, weil er dort weder Frost noch extremer Hitze ausgesetzt ist“, erklärt Saphöster.
Nun müsse das Stück erstmal trocknen, sagt Saphöster. Dann werde es restauriert und wieder an seinen ursprünglichen Standort gelegt. Schließlich soll das Marmorpalais samt Gartenanlage sowie Küche spätestens bis 2016 fertig restauriert sein und genau so aussehen, wie es im 18. Jahrhundert angelegt wurde.
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