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Teufelsdroge Crystal erobert Brandenburg

Ein Beutel mit Crystal Meth. Der Stoff wurde während einer deutsch-tschechischen Rauschgiftkontrolle sichergestellt.
Ein Beutel mit Crystal Meth. Der Stoff wurde während einer deutsch-tschechischen Rauschgiftkontrolle sichergestellt.

Immer mehr Brandenburger konsumieren die illegale Droge Crystal Meth. Im Jahr 2012 wurden die meist in Osteuropa synthetisch hergestellten weißen Kristalle, die bei Konsumenten zunächst Glücksgefühle auslösen, dann aber zu raschem körperlichen Verfall führen, in 59 Fällen von der Landespolizei sichergestellt. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren: 2011 stellten Ermittler in 35 Fällen 1,3 Kilogramm Crystal Meth sicher, 2010 waren es nur 48 Gramm. Das geht aus einer Antwort des Potsdamer Innenministeriums auf eine kleine Anfrage des Cottbuser Landtagsabgeordneten Jürgen Maresch (Linke) hervor, die dem Uckermark Kurier vorliegt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Crystal-Meth-Konsums ist dabei der Süden des Landes: Vor allem in der Lausitz wurden bislang größere Funde der illegalen Droge gemacht. Im Norden des Landes ist es noch recht ruhig. „Aber ich merke, dass ich von immer mehr Lehrern und Sozialarbeitern Anfragen wegen Crystal Meth bekomme“, sagt Carsten Schroeder von der Suchtpräventionsfachstelle der „Salus-Klinik“ in Lindow (Ostprignitz-Ruppin), die als regionale Suchtpräventionsstelle auch für den Landkreis Uckermark zuständig ist. „Aber noch ist Crystal Meth hier wenig verbreitet.“

Menschen verlieren ihre Zähne, die Haut fällt ein

Während etwa 25 Prozentder 15 bis 25-Jährigen schon einmal in ihrem Leben Cannabis konsumierten, liege die Zahl der Crystal-Meth-Nutzer insgesamt bei unter einem Prozent der Bevölkerung. Dennoch sei die Droge wegen der schweren Folgen ihres Konsums nicht zu unterschätzen, warnt Schroeder. „Crystal Meth führt schnell zu erschreckenden Veränderungen: Die Menschen magern ab, verlieren Zähne, die Haut fällt ein“, sagt der Suchtexperte. „Und es gibt einen sehr schnellen geistigen Verfall.“

Ähnlich sieht das auch Bettina Steinke-Schmidt von der „Suchthilfe Prignitz“: „Wir hatten noch keinen einzigen Fall eines Crystal-Meth-Konsumenten“, so Steinke-Schmidt. „Aber das ist normal: Wann immer eine neue Droge auftritt, kommen die Menschen erst etwa fünf Jahre später in unsere Beratungen.“ Wichtig sei es jedoch derzeit, etwa in Schulen über die Gefahren der weißen Kristalle aufzuklären. „Ansonsten hat Brandenburg ein gutes Netz von Beratungsstellen und Entzugskliniken, die auch mit diesem Thema fertig werden.“

Hingegen beklagt der Landtagsabgeordnete Maresch, dass Brandenburgs Polizei der aus Polen und Tschechien importierten Droge weitgehend machtlos gegenübersteht. „Die Teufelsdroge Crystal Meth erobert Brandenburg“, so Maresch. In der Polizeiinspektion Cottbus etwa gebe es nur noch einen Sachbearbeiter, der sich mit dem Thema Rauschgift beschäftige.

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