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„Turbo-Kapitalismus auf dem Land lehnen wir ab“

Reinhard Jung ist Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg – und selber Bauer in der Prignitz.  Er vertritt die Interessen der Familienbetriebe.
Reinhard Jung ist Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg – und selber Bauer in der Prignitz. Er vertritt die Interessen der Familienbetriebe.

Vor welchen Problemen steht die Landwirtschaft in Brandenburg?
Die Landwirtschaft hat in Brandenburg wie in ganz Ostdeutschland ein strukturelles Problem: Es gibt ein riesiges Interesse von Kapitalanlegern, das durch steigende Bodenpreise und Agrarsubventionen noch angeheizt wird. Deren Holdings übernehmen einen maroden Großbetrieb nach dem anderen. Die Wertschöpfung wird aus dem ländlichen Raum rausgesaugt. Anleger aus Westdeutschland, Holland und Dänemark steigen ein – und Brandenburger gehen leer aus. Wir fordern daher, die ortsansässigen Landwirte zu stärken.

Aber wir leben in einer Marktwirtschaft ...
Wir sind für Marktwirtschaft, aber gegen staatlich abgesicherten Turbokapitalismus. Deshalb unterstützen wir gemeinsam mit CDU und Grünen in Brandenburg den Vorschlag der EU-Kommission, bei den Agrarsubventionen eine Obergrenze einzuziehen. Kein Betrieb darf mehr als 300000 Euro aus Brüssel erhalten. Auch Holdings mit mehreren Betrieben dürfen zusammen nicht mehr kriegen. Das wäre das einzig wirksame Instrument, um Investoren auszubremsen. Im Landkreis Märkisch-Oderland beispielsweise sind schon heute 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in den Händen auswärtiger Kapitalanleger.

In Brandenburg wurde ein Bündnis von Bauern gegen Agrarfabriken gegründet.
Nach den Kriterien dieses Bündnisses wäre mancher unserer Betriebe vielleicht auch eine Agrarfabrik. Uns ist etwas anderes wichtig, nämlich dass der Landwirt Eigentümer des Betriebes ist und selbst mitarbeitet. Das verstehen wir unter bäuerlicher Landwirtschaft. Daraus folgt eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die nicht nur den kurzfristigen Gewinn, sondern auch die nächste Generation im Blick hat.

Wie geht es den Betrieben?
Wir können nicht klagen. Wirtschaftlich erlebt die Landwirtschaft einen Aufschwung. Wir produzieren reale Werte. Es wird Zeit, dass die Landesregierung diese wachsende Bedeutung zur Kenntnis nimmt und uns nicht missachtet. In der Lausitz sollen für die Braunkohle noch 1800 Dorfbewohner vertrieben und 5000 Hektar Produktionsfläche vernichtet werden. Im ganzen Land werden wir mit völlig überzogenen Naturschutzauflagen gegängelt. Das geht so nicht weiter.

Und welche Auswirkungen hat das Wetter?
Damit kommen wir schon eher klar. Sicher, der lange Winter hat uns in den letzten Wochen viel Arbeit gemacht. Vieles aus dem März musste im April mit erledigt werden – etwa Bodenbearbeitung, Aussaat oder Grünlandpflege. Ist die Vegetationsperiode kürzer, wird die Ernte kleiner. Aber es wäre verfrüht, jetzt schon Prognosen aufzustellen.

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