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Verbot soll Designerdrogen aufhalten

Vier Jahre nach dem Verbot der Modedroge „Spice“ sagt die Bundesregierung Designerdrogen den Kampf an.  FOTO: Rolf Vennenbernd
Vier Jahre nach dem Verbot der Modedroge „Spice“ sagt die Bundesregierung Designerdrogen den Kampf an. FOTO: Rolf Vennenbernd

„Auf einmal überkam es mich wie ’ne Dampfwalze“, beschreibt ein Konsument, der sich „Br4in“ nennt, in einem Internetforum Erfahrungen mit der Designerdroge Lava Red. Der Rausch habe sich nicht angedeutet, sondern sei plötzlich da gewesen. In der Stärke brauche sich Lava Red nicht zu verstecken. „Es klatscht einen nicht (...) bis an den Nordpol und zurück, aber durchaus bis nach Norwegen/Schweden.“

Atomic Bomb steckt in einem blutroten Tütchen mit dem Bild einer Bombe darauf, auf der sich eine langhaarige und -beinige Schönheit räkelt. Galaxy ist gold-schwarz verpackt und mit blauem Sternennebel verziert. Und wenn man Mind Bliss bestellt, erhält man ein Schächtelchen, auf dem ein violettes Gehirn durchs All schwebt. Die Designerdrogen kommen daher wie Versprechen nach Aufregung, Abenteuer, aber auch Klarheit.

Reihenweise hat der Freiburger Rechtsmediziner Volker Auwärter Legal Highs analysiert oft sind die Substanzen dieser Drogen im Grundsatz seit langem bekannt und auch schon längst verboten. Doch durch molekulare Änderungen schaffen es die Drogenköche immer wieder, neue Stoffe herzustellen, die etwas anders wirken – und dann nicht mehr unter die bisherigen Verbote fallen.

Nun hat der Staat erneut reagiert. Gleich 26 Substanzen werden verboten, wenn der Bundesrat der durch das Bundeskabinett gebrachten Verordnung wie erwartet zustimmt. Doch laut Drogen-Überwachungsrat der Vereinten Nationen kommt im Schnitt jede Woche eine neue Substanz zu den Konsumenten. Bereits im vergangenen Sommer wurden in Deutschland 28 Verbindungen dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und somit verboten. Über Internethändler im Ausland, aber auch in Deutschland werden die Drogen bestellt.

Höhere Wirkung zu oftmals kleinerem Preis

Die Stoffe (Cannabinoide) können verschiedene Wirkung haben, unter anderem auch dämpfend wie natürliches Cannabis, aber teils sollen sie eine bis zu 200-fache Wirkung haben. Aktiv und aggressiv machende Drogen, die an Ecstasy erinnern, werden als Pulver oder Tabletten in badesalzähnlichen Verpackungen verkauft. Als Konsument weiß man in der Regeln nicht, wie viel von den Drogensubstanzen auf die getrockneten Kräuter geträufelt worden sind, die als Basis dienen. Warum greifen viele dann nicht lieber zu dem natürlichen Cannabis?

Die höhere Wirkung und mit oft zehn, zwanzig Euro auch der kleine Preis spielen eine Rolle aber die Designerdrogen lassen sich auch nicht so gut nachweisen. Nach Schätzungen haben etwa 400000 Erwachsene schon einmal neue synthetische Substanzen wie Räuchermischungen probiert. Experten gehen von einer deutlichen Dunkelziffer aus. Junge Männer greifen am häufigsten zu, hat eine Befragung des Centre for Drug Research in Frankfurt/Main ergeben. Demnach sind 89 Prozent der Konsumenten männlich und im Schnitt 24 Jahre alt. Die meisten haben auch Erfahrungen mit Cannabis oder anderen illegalen Drogen. In Süddeutschland und in Großstädten sollen die Stoffe am weitesten verbreitet sein.

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