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Viele Zettel, wenig Infos: undurchsichtige Geldanlagen

Das schnelle Geld sollen Geschlossene Fonds bringen. Oft sind die Beipackzettel in der Praxis für Anleger aber nicht hilfreich. Mancher setzt so aufs falsche Pferd.   FOTO: Andrea Warnecke
Das schnelle Geld sollen Geschlossene Fonds bringen. Oft sind die Beipackzettel in der Praxis für Anleger aber nicht hilfreich. Mancher setzt so aufs falsche Pferd.  FOTO: Andrea Warnecke

VonBurkhard Fraune
undAndré Stahl

Hotels, Schiffe oder Solarparks: Für viele Projekte sammeln Fonds das Geld ein. Doch Verbraucher- schützer ziehen eine ernüchternde Bilanz.

Berlin.Drei DIN-A4 Seiten sollen reichen – leicht verständlich, kompakt und übersichtlich muss es sein. Das zumindest war die Idee des Gesetzgebers, als er die Einführung von Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB) beschloss. Seit Juni 2012 müssen Anbieter geschlossener Fonds diese Kurzinformationen vorlegen. Doch oft seien die Anleger damit genauso schlau wie vorher, monieren Verbraucherschützer.

Was sind Geschlossene Fonds?
Im vergangenen Jahr investierten diese Fonds laut Branchenverband VGF 7,38 Milliarden Euro – etwa in Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, erneuerbare Energien oder Infrastrukturprojekte. Private Anleger steuerten 3,14 Milliarden Euro bei. Kleinkunden können sich also an Großprojekten beteiligen. 2012 investierten sie im Schnitt 25353 Euro.

Warum wurden diese Fonds an die Leine gelegt?
Der Markt unterlag lange außer einer Prospekthaftung keiner wirklichen staatlichen Kontrolle. Als teilregulierte Anlagemodelle gehörten Geschlossene Fonds daher auch zum „Grauen Kapitalmarkt“. Die Finanzaufsicht Bafin prüft seit 2005 Verkaufsprospekte, von Juli 2013 an unterliegen Fonds einer einheitlichen Regulierung.

Was sollen Informationsblätter enthalten?
Neben dem ausführlichen Verkaufsprospekt müssen Anbieter auch ein Vermögensanlagen-Informationsblatt erstellen. Kunden sollen die Art der Anlage, die Anlagestrategie, Risiken und Kosten einschätzen können.
Was kritisieren Verbraucherschützer?
Oft seien die Risiken von Vermögensanlagen nur vage beschrieben, vieles bleibe allgemein oder versinke in juristischen Floskeln, kritisiert Studienleiter Stephan Kühlenz von der Stiftung Warentest. „Wenn bereits die Kurzinformation mangelhaft ist, wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen“, argwöhnt eine Anlageexpertin.
Wer ist betroffen?
Anders als Aktien- oder Rentenfonds dürfte nur ein kleiner Teil der Deutschen diese Vermögensanlagen besitzen. Knapp 195 Milliarden Euro stecken nach Branchenangaben in Geschlossenen Fonds – bei einem von der Bundesbank ermittelten Geldvermögen von mehr als 4939 Milliarden Euro. Für 99 Prozent der Anleger seien Geschlossene Fonds ungeeignet, weil ein Totalverlust möglich sei.

Was sollten Anleger tun?
„Kaufen Sie nichts, wann sie nicht verstanden haben“, wiederholt Studienleiter Kühlenz eine einfache und doch oft vergessene Empfehlung. Die Informationsblätter ersparen es nicht, den Verkaufsprospekt zu lesen.

Kommt die Kritik überraschend?
Nein. Streit über unzureichende Informationen gibt es regelmäßig. Das monierte „VIB“ ist nur ein Beispiel. Zu bürokratisch, klagt die Wirtschaft, Verbraucherschützer wollen einheitliche Standards.

VIBs, KIDs oder PIBs - wer blickt da noch durch?
Kunden dürften genervt sein angesichts der Zettelwirtschaft. Die EU lotet aber gemeinsame Standards für Finanzprodukte aus.

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