Virtuelles Abhängen mit der Kanzlerin

VonRasmus Buchsteiner

Angela Merkel nutzt mehr und mehr Internet und soziale Netzwerke für ihre Zwecke. Seit kurzem ist sie auch fit im Video-Chat.

Berlin.Um Punkt 17 Uhr hat Angela Merkel vor der Computerkamera Platz genommen. „Ja, hallo“, meldet sie sich zu Wort. „Für mich ist es das erste Mal, so ein Google Hangout. Wollen wir mal sehen, wie es geht.“ Die Kanzlerin als Gastgeberin im virtuellen Chatroom – eine Premiere. Im sozialen Netzwerk des US-Internetriesen ist sie gestern zur Videokonferenz verabredet – zur Diskussion mit sechs Experten zum Thema Integration. Auch zuvor von Internet-Nutzern eingereichte Fragen beantwortet sie.
Die Bundeskanzlerin auf den Spuren von US-Präsident Barack Obama, dem Dalai Lama oder UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die von Googles „Hangout“-Technik bereits Gebrauch gemacht haben. Der Auftritt bietet der Kanzlerin die Chance zum Gespräch mit den Bürgern, ohne allzu kritische Nachfragen von neugierigen Journalisten fürchten zu müssen.
Merkel 2.0 – eine Kanzlerin, die Internet und soziale Netzwerke mehr und mehr für ihre Zwecke nutzt und dabei immer wieder Neuland betritt. Auf der Regierungsbank im Bundestag sitzend liest sie regelmäßig auf ihrem iPad. Auf der Video-Plattform Youtube sind Interviews mit ihr abzurufen. Jeden Sonnabend meldet sie sich mit einem Video-Podcast zu Wort. Nun also der Google Hangout, das virtuelle Abhängen mit der Kanzlerin, übertragen als Livestream im Internet.
An Merkels Premiere hatten sich von Anfang an die Geister geschieden. Blogger warfen die Frage nach der Rechtmäßigkeit einer solchen Live-Übertragung und einer Lizenzpflicht auf. Virtuelles Staatsfernsehen? Die Landesmedienanstalten sahen keinen Grund für Beanstandungen. Wahlkampf? Es sei die Pflicht einer Bundeskanzlerin, „für die Begegnung mit Bürgern auch in den neuen Medien offen zu sein“ und ihre politischen Vorschläge mit den Bürgern abzugleichen, so ein Sprecher. Das sei „normales Regierungsverhalten“ und kein Wahlkampf.

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