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„Zauder-Künstlerin“ auf dem Rückzug?

Angela Merkel bekam mit, wie ihre Vorgänger unfreiwillig gehen mussten. Will und wird sie es anders machen?  FOTO: Jens Wolf
Angela Merkel bekam mit, wie ihre Vorgänger unfreiwillig gehen mussten. Will und wird sie es anders machen? FOTO: Jens Wolf

VonAndreas Herholz

Hat sie den Ausstiegsplan schon fest im Hinterkopf? Ist der Rückzug 2015 mitten in der Legislaturperiode für sie bereits beschlossene Sache? Die Kanzlerin reagierte prompt auf jüngste Spekulationen und ließ ihren Regierungssprecher eilig dementieren.

Berlin.„Die Bundeskanzlerin tritt bei der Bundestagswahl selbstverständlich für eine volle Amtszeit an“, versicherte Steffen Seibert am Montag in Berlin. Wie lange will die CDU-Chefin noch regieren? Die Frage stellt Bild-Vizechef Nikolaus Blome in seinem Buch „Die Zauder-Künstlerin“, das von EU-Parlamentspräsident und SPD-Präsidiumsmitglied Martin Schulz in der Hauptstadt vorgestellt wurde.
Die These des Journalisten: „Das Ausstiegs-Datum 2015 ist eine fundierte Prognose.“ So ist es in Merkels Umgebung kein Geheimnis, dass sie zehn Jahre für das Maximum der Amtszeit von Regierungschefs hält. „Wenn sie die nächste Bundestagswahl gewinnt, ist mit 60 Schluss, irgendwann im Jahr 2015“, lautet Blomes These.
In der CDU-Spitze und im Kreise ihrer Vertrauten gibt es wenige, die dieser Auffassung hinter vorgehaltener Hand widersprechen würden. Abschied nach einem Jahrzehnt Kanzleramt? Angela Merkel wolle es anders machen als ihre Vorgänger, die nicht freiwillig ausgeschieden waren.
„Die Erste zu sein, die es anders hinkriegt, es wäre ein feiner letzter Triumph über alle maskuline Unersetzbarkeits-Allüren“, folgert Blome.
Das Rücktrittsdatum bereits fest im Kopf? Eine Debatte, die für Merkel zu Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes zur Unzeit kommt. Eine Kanzlerin nur für die halbe Wahlperiode – ein Handicap in den kommenden Monaten. In der SPD-Zentrale wird schon frohlockt: Verständnis habe man dafür, dass die Kanzlerin die Lust am Amt verloren habe. „Frau Merkel braucht aber nicht bis 2015 warten“, sagt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. „Wir werden sie schon in diesem Jahr von ihrer Last befreien.“
Schnell schickte die Kanzlerin gleich ihren Regierungssprecher vor, um die Spekulationen zurück zu weisen. Dass sie für die volle Legislaturperiode antreten werde, hindere sie allerdings nicht, 2015 dennoch an einen Nachfolger zu übergeben, wenn es die politische Lage erlaube, heißt es in der CDU-Spitze. Im Gespräch mit der Journalistin Herlinde Koelbl äußerte sie einst, was wie eine Bestätigung der Ausstiegs-Theorie klingt: „Ich möchte irgendwann den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik finden. Das ist viel schwerer, als ich mir das früher vorgestellt habe.“

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