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Alte Burgen liegen im Verborgenen

Trotz der großen Umbauten im 19. Jahrhundert ist die Wasserburg Gerswalde noch immer ein eindrucksvolles mittelalterliches Bauwerk. Vom einstigen Hauptsaal allerdings stehen nur noch zwei Außenwände.
Trotz der großen Umbauten im 19. Jahrhundert ist die Wasserburg Gerswalde noch immer ein eindrucksvolles mittelalterliches Bauwerk. Vom einstigen Hauptsaal allerdings stehen nur noch zwei Außenwände.

Mittelalterliche Befestigungen? Große Burgen hoch oben auf einem Felsen – wie die Festung Königstein – sind da sofort ein Begriff. Aber auch in der Uckermark, einer eher „platten“ Region, gibt es solche Bauten zu entdecken. Wer Lust hat, fährt einfach mal ein Stück durch den Altkreis Templin.
Von der Autobahnabfahrt Pfingstberg geht es zunächst in Richtung Gerswalde und dann in Richtung Templin Stegelitz. In Stegelitz geht es am Ortsausgang rechts ab nach Groß Fredenwalde. Dicht neben der Kirche sind bereits die Reste einer slawischen Burg zu sehen. Nach über 1000 Jahren ist von der einstigen Pracht aus Holz und Erde jedoch nur noch ein Erdhügel geblieben.
Weiter kann in Richtung Westen zur Landstraße gefahren werden, wo es über Willmine zur Straße nach Templin geht. Über Alt Temmen gelangt man nach Götschendorf. Mitten im Ort, unter der Straße an der Bushaltestelle, fährt man über eine für Brandenburg typische kleine niederadlige Befestigung. Als 2008 die Straße erneuert wurde, stießen Archäologen mitten in einem alten Friedhof des 13. und 14. Jahrhunderts auf die Reste eines Herrenhauses aus der Zeit um 1500. Darin soll, laut einer Urkunde von 1553, Franz von Arnim gewohnt haben.
Weiter geht es in Richtung Templin. Vor dem ersten Waldstück abbiegen und dann rechts abfahren und parken. Zu Fuß kann es dann weitergehen bis zum Kölpinsee. Dort gelangt man zu einer kleinen Ruine aus zu Quadern geschlagenen Feldsteinen. Viel ist nicht mehr übrig von dem etwa 80 Quadratmeter großen, turmartigen Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, um das sich viele Sagen ranken. Scheune, Kirche, Kloster oder Burg – Legenden dazu gibt es etliche.

Ruine aus Feldsteinen deutet auf Wohlstand hin

2008 versuchten Studenten der Humboldt-Universität mit einer Forschungsgrabung unter Leitung von Professor Biermann etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Sie fanden Hinweise auf eine Schmiede, einen verschütteten Verteidigungsgraben und legten den mit Schutt verfüllten Keller des Turmes frei. Die Funde ließen auf einen gehobenen Lebensstandard der einstigen Bewohner im 13. und 14. Jahrhundert schließen. Vermutlich war der Feldsteinturm das Zentrum eines kleinen Hofes des brandenburgischen Markgrafen. Dieser ging einer Urkunde von 1270 zu Folge hier zur Jagd. Später nutzten die Augustiner Chorherren aus Gobelenhagen in Vorpommern die Anlage. 1338 erhielten die Prenzlauer Brüder Georg und Johann von Strehlen den Ort Götschendorf. Der Turm könnte 1352 zerstört worden sein. Eine bewegte Geschichte mit vielen Fragezeichen.
Die Ruine ist die einzige kleine mittelalterliche Befestigung aus Feldsteinen, die in der Uckermark besichtigt werden kann. Ähnliche niederadlige Befestigungen – „Turmhügel“ oder „Motte“ genannt – gab es in vielen Dörfern. Meist waren sie aus Holz und wurden spätestens beim Wiederaufbau des Landes nach dem Dreißigjährigen Krieg im späten 17. und 18. Jahrhundert eingeebnet.
Von dort geht es weiter in Richtung Milmersdorf, wo man rechts in Richtung Prenzlau fahren kann. Die heutige Hauptstraße war bereits auf Höhe der Kirche 1260/70 mit Eichenbohlen befestigt. In Mittenwalde, dass heute frei inmitten von Feldern liegt, biegt man auf Höhe der Kirche in Richtung Gerswalde ab.

Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit

Gerswalde war einst ein Städtchen mit noch heute beeindruckender Feldsteinkirche. Die großen vermauerten Portale in der Nord- und Südwand nutzten die im Mittelalter katholischen Einwohner bei Prozessionen. Heute befindet sich zudem ein Café schräg gegenüber.
Neben dem einstigen Schloss am Südende des Ortes, steht die „Gerswalder Wasserburg“. Auch wenn der Burggraben längst verfüllt ist, ist dort eine der beeindruckendsten Burgruinen der Uckermark zu sehen. Der urig anzusehende Palast ist ein neuzeitlicher Bau – ein Lagergebäude. Gegenwärtig beherbergt es die Heimatstube des Ortes, umrahmt von zwei standesgemäßen dicken Ecktürmen. Eine echte Burg.
Vom Burghof aus lässt sich die Struktur der Anlage gut erkennen. Vom einstigen Hauptsaal stehen noch zwei Außenwände. Unten sind die Ansätze eines großen Kellergewölbes, das teilweise erhalten und begehbar ist, zu sehen. Im oberen Bereich zeichnen sich deutlich Gewölbeansätze eines einst prächtigen Saales ab. In einem der Türme kann man die gut erhaltenen Schießscharten bewundern, die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammen. 1325 wird ein „Haus“ in Gerswalde genannt, 1555 soll es eine befestigte Vorburg gegeben haben. Dazu gibt es jedoch kaum Urkunden. Auch hier darf seiner Fantasie freien Lauf gelassen werden.

Größte Burg der Uckermark ist eine Stadt

Weiter geht es zum letzten Ziel, einem ganz besonderen Burgentyp, den wohl jeder kennt und an den kaum jemand denkt. Es geht nach Templin. Denn die ganze Stadt ist eine Burg. Eine „richtige“ Burg vielleicht nicht, aber immerhin war Templin mit einer hervorragend erhaltenen starken Mauer, vielen Wachtürmen, drei Stadttoren und einem heute verfüllten Stadtgraben vor Feinden bestens geschützt.
Städte waren in gewisser Weise die Burgen der Bürger, die manchem Angriff erfolgreich trotzten. Die Templiner Stadtmauer kann man auf einem etwa 1750 Meter langen inneren Stadtmauerumweg erkunden. Da warten idyllische Plätzchen auf Besucher. Auf dem Weg dorthin kommt man am Prenzlauer Stadttor vorbei, in dem das Stadtmuseum untergebracht ist. Aber auch die Innenstadt mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern ist immer eine Erkundungstour wert.

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