Nordkurier.de

Herrliche Schlösser im Internet

Im uckermärkischen Dedelow gab es ein Rittergut unter der Herrschaft der Familie Klützow. Schloss und Wirtschaftsgebäude wurden 1945 durch Brandstiftung zerstört. Heute sind nur noch Teile der Grundmauern erhalten.
Im uckermärkischen Dedelow gab es ein Rittergut unter der Herrschaft der Familie Klützow. Schloss und Wirtschaftsgebäude wurden 1945 durch Brandstiftung zerstört. Heute sind nur noch Teile der Grundmauern erhalten.

Liebhaber alter Schlösser, Parkanlagen sowie Kirchen hier im Nordosten kennen diverse Bücher, aus denen sie Sehens- und Wissenswertes für ihre Leidenschaft erfahren. Jetzt ist sogar eine digitale Schlösser-Wanderung durch das ganze ehemalige Königreich Preußen möglich.Die Datei dazu ist in Bild und Wort im Internet abrufbar und findet zunehmend Beachtung. Außerdem sind 851 alte Stiche von Guts- und Herrenhäusern und Schlössern im Netz zu finden. Die wunderschönen Ansichten aus dem 19. Jahrhundert erfreuen zudem mit vielen liebevoll gestalteten Details.
Dem Schöpfer Alexander Duncker sei Dank.Zu seinem 200. Geburtstag setzte ihm die Berliner Zentral- und Landesbibliothekdieses spezielle Denkmal. Grundlage für die digitale Sammlung bildet Dunckers Werk „Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie“. Es handelt sich dabei um eine einmalige Grafiksammlung mit erläuternden Texten zur Geschichte, die der Verleger, Schriftsteller und Kunstsammler Alexander Duncker in 16 Bänden zwischen 1857 und 1883 veröffentlichte.

Duncker schafft etwa 1000 Lithografien

Das monumentale Ansichtswerk berücksichtigt Ansichten in Brandenburg sowie Preußen und in den nach 1648 hinzugekommenen Provinzen Schlesien, Sachsen, Rheinland, Westfalen und Pommern. Unter den rund 1000 farbigen Lithografien berücksichtigte Duncker 169 treffliche Ansichten von Brandenburg, 72 von Preußen sowie 92 von Pommern. Sie ermöglichen ein kulturgeschichtlich interessantes Bild. Da sie auch die architektonischen Wechselbeziehungen zu den Nachbarregionen verdeutlichen, gelten sie inzwischen für Historiker als unverzichtbare Quelle. Nach langer Vergessenheit dieser Prachtsammlung erwarb Ende 1999 die Berliner Zentral-und Landesbibliothek eine historische Ausgabe in 16 Bänden. Die Grafiksammlung ist das Hauptwerk von Alexander Duncker.

Eigener Verlag für Schöngeistiges

Er wurde am 18. Februar 1813 in Berlin geboren, entstammte einer renommierten Buchhändlerfamilie und hatte mehrere Brüder, die ebenfalls als Verleger, Historiker und Politiker bis hin zum Berliner Bürgermeisteramt Bekanntheit erlangten. Alexander Duncker bekam eine umfassende Bildung. Er begann seine berufliche Ausbildung im väterlichen Verlag und vervollkommnete sich dann im Hamburger Verlag „Perthes & Besser“.
1837 gründete Alexander Duncker in Berlin seinen eigenen Verlag. Er widmete sich zunächst der schöngeistigen Literatur mit Schriftstellern wie Karl von Holtei, Hermann von Pückler-Muskau, Emanuel Geibel sowie Theodor Storm. Er betätigte sich nebenbei als erfolgreicher Kunstsammler und nahm als Reserveoffizier an den Kriegen Preußens gegen Dänemark, Österreich und Frankreich teil. Dabei kam es zum engen Kontakt zu König Friedrich Wilhelm IV. und später zu Kaiser Wilhelm I. Das trug ihm den Titel „Königlicher Hofbuchhändler“ ein.
Duncker, der zwischendurch auch selbst schrieb Bücher, hatte dann angesichts seiner wachsenden Grafiksammlung die Idee für sein Schlösserwerk. Ab 1857 bereicherte er damit die Kunstwelt. Der Pommern-Teil beispielsweise reicht vom Gut Steinhöfel im Kreis Saatzig über das Schloss Schlemmin im heutigen Landkreis Vorpommern-Rügen bis zur reizvollen Kirche in Wolde bei Altentreptow.
Die von dem Buchhändler im Flachdruck festgehaltenen Bauten hatten teilweise nicht nur bekannte Architekten sowie Besitzer. Sie sind mehrheitlich auch architektonisch interessant und überzeugen – soweit sie erhalten und saniert wurden – heute in altem und neuem Glanz.
Alexander Duncker widmete sich im Alter noch einem zweiten Großprojekt. Er gab die „Politische Correspondenz Friedrichs des Großen“ heraus. Darüber starb der Verleger am 23. August 1897 in Berlin. Damals waren 24 Friedrich-Bände fertig. Bis 1939 stieg deren Zahl dann bis auf 46. Erst 2003 wurde diese Reihe mit dem 47. Band abgeschlossen.
Dunckers zweites verlegerisches Denkmal. Für Historiker ebenso wichtig wie sein Schlösser-Werk.

Unter dem Stichwort Alexander Duncker ist es bei Wikipedia möglich, die Lithografien anzusehen und auf die digitalisierte Sammlung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin zu kommen.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×