Fr. 20. April 2012
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Heimatgeschichte von Gerda Boldt

Malerin der Landschaften im Jahreslauf

Klirrender Frost ließ im Winter 1946/47 die Erde erstarren. Die Künstlerin Marie Hager erlebte diesen harten Winter unter schwierigen Bedingungen letztmalig. Ihre bekannten Winterlandschaften konnte sie nicht mehr malen – die Kräfte fehlten.

Marie Hager Selbstbildnis, Öl auf Karton
Marie Hager Selbstbildnis, Öl auf Karton
Foto: Gerda Boldt
Burg Stargard. (NK)  

Im Sommer 1946 schrieb Marie Hager ihrer Nichte Wiltrud Kratz in Bad Dürkheim: „Ich bin inzwischen sehr krank gewesen und bin es auch noch. Habe fast nur gelegen und habe ein furchtbares Schwächegefühl und Unsicherheit in den Füßen. Ob ich noch wieder besser werde?“ Doch ihren Wunsch zu malen, hatte sie nicht aufgegeben. In Briefen bat sie ihre Nichte, Mal-Leinwand, Aquarellfarben und -papier und bestimmte Stahlfedern zu schicken. „Hoffe doch, wieder so kräftig zu werden, dass ich endlich arbeiten kann.“ Von Marie Hager sind 320 Gemälde bekannt, die in Museen und überwiegend in Privathand sind. Am 25. April 1947 vollendete sich ihr Leben. Ihre Grabstätte ist auf dem Burg Stargarder Friedhof. Eine Tafel erinnert an ihr Schaffen. Fast 26 Jahre war Burg Stargard die Wahlheimat der Malerin. Hier ließ sie sich 1921 ein Haus bauen. Burg Stargard war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Malerkreisen ein beliebter Ort. Professor Eugen Bracht (1842–1921) kam um die Jahrhundertwende in den Sommermonaten mit seinen Schülern nach Burg Stargard und seine Schüler, die später teils selbst Professorentitel hatten, kamen ebenfalls mit Schülern hier her. Die mehrmonatigen Sommerkurse sind unter dem Begriff „Stargarder Malschule“ bekannt. So kam auch Marie Hager in den Ort bei Neubrandenburg. Geboren wurde sie am 20. März 1872 in Penzlin. Ihr Vater war dort Pfarrer und wurde 1894 Präpositus in Dargun. Nach dem Besuch der Bürgerund einer Privatschule wurde sie in Hamburg und Berlin in Gesang unterrichtet, doch ihre Lehrer schulten ihre Stimme nicht richtig. Sie brach das Gesangsstudium ab. Die Darguner Umgebung bot viele reizvolle Motive zum Malen. Max Uht (1876–1914), ein ehemaliger Schüler von Professor Eugen Bracht, malte dort mit seinen Schülern. Marie Hager nutzte nun ihr zweites Talent und wurde 1904/05 Schülerin von Professor Max Uht. Auch Eugen Bracht und Ernst Kolbe (1876–1945) gelten als ihre Lehrer. Marie Hager reifte schnell zu einer Landschafts- und Architekturmalerin heran, die ihre Bilder ganz aus der Farbe heraus entwickelte. Ihre Farbpalette ist reich, ihr Strich kraftvoll und sicher. Die Farben sind teilweise gespachtelt aufgetragen. Schnell fand sie Anerkennung, konnte sich schon 1910 in Hannover und 1911 in Berlin an Ausstellungen beteiligen. Bis 1941 folgten noch viele. Bekannt wurde sie besonders durch ihre Hafen- und Städtebilder, die bei ihren Reisen entstanden. Sie malte zu jeder Jahreszeit im Freien. Mit ihren Herbstbildern in warmen goldgelben und braunen Farbtönen sowie mit den Winterbildern zeigte sie dem Betrachter immer wieder, dass die Natur schön ist. Ihren beiden Heimatstädten Dargun und Burg Stargard setzte sie durch ihre Gemälde ein bleibendes Denkmal. Burg Stargard malte sie zu jeder Jahreszeit, fand immer wieder neue Motive. Porträts schuf sie wenige. Ihr Selbstporträt beweist, dass sie auch auf diesem Gebiet gute Arbeit leisten konnte. Hierbei ging es ihr weniger um Ähnlichkeit: Sie wollte sich als selbstbewusste, willensstarke Persönlichkeit darstellen. Nichte Wiltrud Kratz erbte ihren Besitz. 1991 schenkte sie das Grundstück, Haus, Bilder und einige Möbelstücke der Stadt Burg Stargard mit der Auflage in der Schenkungsurkunde, eine ständige Ausstellung der Bilder ihrer Tante im Hause zu zeigen, erlaubte, das Haus teilweise als Galerie zu nutzen und zur Fortführung der „Stargarder Malschule“ Malkurse darin zu führen. Die Erinnerung an das Leben und Werk Marie Hagers darf aber durch die Zweckerweiterung nicht geschmälert werden. So hat die Nichte es festgelegt. Der Marie-Hager-Kunstverein Burg Stargard unterstützt die Stadt seit 16 Jahren dabei, das Erbe Marie Hagers zu betreuen und die Erinnerung an die Künstlerin zu wahren. Der 140. Geburtstag und der 65. Todestag sind für den Verein Anlass, die Künstlerin besonders zu ehren. Vereinsmitglieder werden am 25. April um 10 Uhr an der Grabstätte Marie Hagers der Künstlerin gedenken und Blumen niederlegen. Vom 30. Juni bis 19. August präsentiert der Verein im Hager-Haus Bilder der Malerin aus dem Bestand der Stadt. Es werden auch Leihgaben gezeigt.

Zum Marie-Hager-Haus Burg Stargard

 

http://www.burg-stargard.de/tourismus/kunst-und-kultur/
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