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Prachtexemplare in zwei Reihen

Alleen prägen das Landschaftsbild der Region. Zu jeder Jahreszeit erfreuen sich Touristen und Einheimische an ihrem Erscheinungsbild.
Alleen prägen das Landschaftsbild der Region. Zu jeder Jahreszeit erfreuen sich Touristen und Einheimische an ihrem Erscheinungsbild.

Die Kastanie präsentiert dem Betrachter im Frühling einen prachtvollen Blütenreichtum, der Ahorn eine herrliche Herbstfärbung, Eichen beeindrucken durch ihren knorrigen Wuchs. Alleen sind Teil der historisch gewachsenen Kulturlandschaft, sie gliedern die Weite und verleihen ihr eine Ruhe ausstrahlende Struktur.
Katharina Brückmann, beim Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Expertin für die Alleen, verweist auch auf die ökologische Bedeutung der Baumreihen. „Sie bieten verschiedenen Insekten und Vögeln Lebensraum. Die Bäume filtern Schadstoffe aus der Luft und lagern sie in ihrem Blattwerk ab. Außerdem verringern sie als Windschutz die Erosion von Äckern. Sie vernetzen unterschiedliche Lebensräume wie Wiesen, Weiden und Felder miteinander. Zudem sind sie kleine Biotope, in denen sich eine Vielfalt von Moosen und Flechten wohlfühlt.“

Ungestörtes Wachstum bis zur Wende

Die Fachfrau betont, dass sich die Touristen an der vielfältigen Alleenlandschaft erfreuen und sie bei ausgiebigen Fahrradtouren und Wanderungen genießen. „Für ein Land, das vom Tourismus lebt, ist diese Attraktion von großer Bedeutung.“
Mecklenburg hat in gewisser Weise Glück gehabt. Bis zur Wende konnten die historischen Alleen ungestört existieren. Zu DDR-Zeiten hat man sich kaum um die landschaftliche Besonderheit gekümmert. So sind wertvolle, uralte Baumreihen erhalten geblieben. Dann setzte nach der Wende ein Bauboom ein, Straßen wurden verbreitert, an ihren Rändern wurden Gräben gezogen für Telefonleitungen. Im Winter wurde Streusalz eingesetzt. „Das hat die Alleen vielerorts in Gefahr gebracht“, sagt Katharina Brückmann, die um jeden Baum ringt. Heute ist ihre Arbeit in gewisser Weise leichter geworden, Gesetze regeln den Schutz. Der Erhalt der Alleen ist sogar in der Landesverfassung festgelegt.
Die Gesamtstrecke aller Alleen in Mecklenburg beträgt rund 4400 Kilometer, aus historischen Gründen werden als Bepflanzung Linde, Ahorn und Kastanienbäume bevorzugt. Diese Baumarten eignen sich aufgrund ihres breitwüchsigen Blattwerks als besonders gute Schattenspender. Zudem können sie mehrere Hundert Jahre alt werden, ihre Kronen überspannen auch breite Straßen und bilden einen Tunnel. Die Lindenblüten haben heilsame Wirkung. Der Ahorn dient als Holzlieferant für Möbel und konnte laut dem Volksglauben nicht vom Blitz getroffen werden. Eichen und Buchen säumten früher bevorzugt die Jagdwege, da deren Früchte den Waldtieren als Futter diente.
Die Geschichte der Alleen reicht weit zurück. Schon die alten Ägypter hatten den Nutzen von Bäumen als Schattenspender erkannt. So pflanzten sie Baumreihen längs der Gartenwege. Aber auch Straßenränder wurden mit Palmen bepflanzt, um die prunkvollen Umzüge der Pharaonen zu unterstreichen. Die Römer übernahmen diese Art der Gartengestaltung, die jedoch mit dem Niedergang ihres Reiches in Vergessenheit geriet.
Erst im 17. Jahrhundert, im Barockzeitalter, wurde die Baumreihe wieder entdeckt. Europas Fürsten gestalteten die Parks und Gärten mit Alleen – der Ausdruck kommt von dem französischen Wort „aller“, das gehen bedeutet. In Deutschland wurden die Straßen zwischen Städten und Dörfern auch mit Obstbäumen bepflanzt. Das war ganz praktisch, im Herbst gab es Früchte, im Winter dienten die Bäume als Wegmarkierung.

Auch Doppel-Varianten sind bekannt

Experten unterscheiden verschiedene Gestaltungsarten. Es gibt einfache, offene Alleen mit zwei Baumreihen sowie die „allee double“, die Doppelallee, mit je zwei Baumreihen links und rechts der Straße. Bei der „allee couverte“ berühren sich die Baumkronen und bilden einen Tunnel. Auch nach dem Schnitt der Bäume – natürlich gewachsene oder in Form gebrachte – werden die Baumreihen unterschieden.Alleen rückten in den 1960er Jahren in den alten Bundesländern in den Fokus der Öffentlichkeit, als sie mit wachsendem Verkehrsaufkommen den breiteren Straßen weichen mussten. Verkehrsplaner und Autofahrer monierten, die Bäume würden den Verkehr behindern.
In Brandenburg und in Mecklenburg genießen Alleen heute eine besondere Aufmerksamkeit. Ihr Schutz ist per Gesetz festgeschrieben. Gleichwohl brauchen sie permanent Aufmerksamkeit und Pflege. Wer sich einbringen möchte, kann Alleenpate werden und den BUND mit einer Spende oder aktiver Hilfe unterstützen.

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