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Uckermärker kämpfen gegen die Franzosen

Nicht alle Uckermärker nahmen die fremde Besatzung ihrer Heimat Anfang des 19. Jahrhunderts als gottgewollt hin. Der Stegelitzer Daniel Pfort zum Beispiel wandte sich bereits 1806 nach Kolberg, um als Freiwilliger bei der Verteidigung der Festung gegen napoleonische Truppen zu helfen.
Nachdem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. Frankreich im März 1813 den Krieg erklärt hatte – russische Kosaken waren als Verbündete bereits in Berlin – wurde Daniel Pfort Angehöriger der uckermärkischen Landwehr. Im Juni 1815 wurde der Stegelitzer schwer verwundet. Dafür erhielt er später ein monatliches Gnadensold.
Johann Carl Vronsinsky, Stiefsohn des Stegelitzer Försters Kasch, diente als Freiwilliger in der Deutsch-Englischen Legion. Auch mehrere Söhne des Gutsbesitzers von Arnim auf Suckow, dem Stegelitz gehörte, fochten gegen Napoleon. Friedrich Wilhelm Ludwig beispielsweise diente 1813 in der auf den russischen Zaren vereidigten hanseatischen Legion als erster Führer ihrer Reiterei und fiel im September 1813 beim Versuch Lübeck zu befreien.
Karl Ludwig von Arnim blieb nach der verloren Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 im verkleinerten preußischen Heer und nahm als Hauptmann an den Befreiungskriegen teil. August Otto Alexander, Otto genannt, focht 1806 als 19-jähriger Kornett im Ansbachschen Husarenkorps bei Jena, trat im September 1808 in österreichische Dienste, um am Krieg teilzunehmen und stand 1813 unter russischem Kommando. Er fiel bereits im Februar 1813 in einem Gefecht bei Werneuchen, etwa 30 Kilometer vor Berlin.
Nachdem der Preußenkönig einen Monat später sein Volk zu den Waffen gerufen hatte, folgten zwei weitere jüngere Brüder. Christian Ernst, der schon als 14-Jähriger 1806 bei Auerstedt von zwei Kugeln verwundet worden war, wurde 1814 nochmals schwer verwundet, so dass ihm ein Arm amputiert werden musste. Ohne größere Blessuren kam der jüngste Sohn Franz Kurt von Arnim durch die Befreiungskriege. Wie viele Stegelitzer insgesamt dem Ruf des Königs folgten ist nicht überliefert.

Ringe mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“

Friedrich Wilhelms Schwägerin, Prinzessin Marianne von Preußen, appellierte 1813 an alle preußischen Frauen, ihren Goldschmuck abzugeben, um im Austausch dafür eine Eisenbrosche oder Ring mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“ zu erhalten. Dieser Aufforderung kamen viele nach. Das Tragen von Eisenschmuck wurde zur Mode aller Patriotinnen, die damit ihren Beitrag zur Unterstützung der Befreiungskriege dokumentieren wollten.
Allein aus dem Fliether Pfarrhaus kamen eine mit Silber beschlagene Dose, drei goldene Ringe, eine silberne Medaille, eine silberne Uhr und Silbermünzen. Die Hebamme, Frau des invaliden Unteroffiziers Georg Christian Preussendorf, gab vier Groschen Silber, die Frau des Tagelöhners Gollin zwölf Groschen. Dazu nähten die Frauen Hemden aus Leinwand, die sie spendeten.
Die Männer, die nicht ins Feld zogen, übten das Militärhandwerk in der Landwehr, einer militärisch gemusterten Truppe, beziehungsweise im Landsturm, dem alle übrigen männlichen Personen vom 15. bis 60. Lebensjahr angehörten. Kommandeur der Fredenwalde Landwehr, zu der auch das Stegelitzer Aufgebot gehörte, war Rittmeister von Arnim auf Neu-Temmen. Als seine Leutnants galten der Rittergutspächter Linde, der Kandidat Wagner, der Livre-Jäger Fubel sowie der Schreiber Steffen.
Die Entschlossenheit der Uckermärker zeigt sich auch an einem Eintrag in der Fliether Pfarrchronik 1813: „Am 10. April kam hier alles in Alarm. Es erschallte das Gerücht und wurde von Dorf zu Dorf durch Boten verbreitet, dass Franzosen von der Havel her kämen. Aus den Dörfern machten sich daher alle, Greise und Kinder ausgenommen, auf mit Heugabel, Forken, Piken nach der Gegend von Templin hin. Es wurde gesagt, die Franzosen wollten nach Stettin durchdringen. Es zeigte sich sogleich, dass es ein blinder Lärm gewesen, der durch die Überkunft mehrerer Westphalen über die Elbe entstanden sein soll.“
Insgesamt sind die Namen von 17 Stegelitzern bekannt, die im Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft standen. 1815, nach der Flucht Napoleons von der Insel Elba, wurden noch einmal Soldaten gebraucht. Aus Stegelitz traf es zwei Mann. Einige Angehörige der Stegelitzer Familien, deren Namen die Fliether Pfarrchronik für die Zeit der französischen Fremdherrschaft und der Befreiungskriege zwischen 1806 und 1815 nennt, finden sich auf Passagierlisten von brandenburgischen Auswanderern nach Amerika. Die großen Zukunftshoffnungen, die mit dem Krieg 1813-1815 verbunden waren, hatten sich offenbar nicht erfüllt.

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