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Zwischen Patina und neuem Glanz

Das Schloss in Ludwigslust ist ein Besuchermagnet. Es gibt Gästen einen anschaulichen Einblick in das Leben der Mecklenburger Herzöge. Derzeit können Besucher den Handwerkern bei der Sanierung der fürstlichen Schätze über die Schulter schauen.
Das Schloss in Ludwigslust ist ein Besuchermagnet. Es gibt Gästen einen anschaulichen Einblick in das Leben der Mecklenburger Herzöge. Derzeit können Besucher den Handwerkern bei der Sanierung der fürstlichen Schätze über die Schulter schauen.

Es wird gehämmert und gebohrt im alten Gemäuer. Doch der Baulärm klingt kaum hörbar aus dem Ostflügel, die museale Stille im Westflügel bleibt gewahrt. Bald soll das Schloss Ludwigslust wieder im fürstlichen Glanz erstrahlen. Dach und Fenster sind bereits saniert. Nun widmen sich Handwerker und Restaurateure der Grundsanierung des Ostflügels. Die im September 2011 unter der Trägerschaft des Betriebs für Bau- und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern begonnenen Arbeiten sollen Mitte 2015 beendet sein. 13 Millionen Euro sind veranschlagt. „Endlich wird dieser Flügel so hergerichtet, dass die künftige Präsentation von Kunstschätzen einen würdigen Rahmen erhält“, erläutert der Leiter des Schlossmuseums Peter Krohn mit sichtlicher Freude.
Seit 1986 gehört das Barockschloss zum Staatlichen Museum Schwerin. In dieser Zeit wurde es schrittweise für Besucher museal erschlossen. Von der ursprünglichen Einrichtung haben sich in den bislang noch nicht restaurierten Räumen unter anderem Kamine, Spiegel und Kronleuchter sowie Ornamente und Dekorationen erhalten.

Historiker rätseln bis heute zu einer Rezeptur

Bis zur Wende war das Schloss auch Sitz der Kreisverwaltung. „Bislang sind die Räume noch nie restauriert worden“, erklärt der Museologe, der 1987 mit seinen Kollegen hier zwei Räume bezog. „Das Schloss besticht durch seinen gut erhaltenen Originalzustand. Hier liegt die Patina des gelebten Lebens auf den Räumen und übt eine faszinierende Anziehung auf die Besucher aus“, unterstreicht der Museumsleiter.
Im Durchschnitt kommen im Jahr mehr als 45000 Gäste. Sie können die Fortschritte der Sanierung im Goldenen Saal verfolgen. So gestattet ein Fenster im Westflügel einen großzügigen Blick. Eine leichte Staubschicht bedeckt das Blattgold, der wertvolle Parkettboden wurde aufgehoben, die blanken alten Dielen offenbaren die meisterhafte Baukunst. Die Wände und Decken strotzen vor Reliefs und Verzierungen aus dem geheimnisvollen, widerstandsfähigen und witterungsbeständigen Papiermaschee. Es trotzt sogar Regen und Schnee.
Die Rezeptur nach Johann Georg Bachmann aus dem 18. Jahrhundert gibt Historikern heute noch Rätsel auf. Bachmanns Idee war nicht neu. So wurden seit dem 16. Jahrhundert Andachtsbildchen und Fastnachtsrequisiten aus Papiermaschee gefertigt. Doch die Ausschmückung ganzer Räume war ein aufwendiges und bis dato einmaliges Unterfangen.
Das Museum residiert nun in 14 Räumen im Westflügel. Hier kann der Besucher zum Beispiel die Porträts von Balthasar Denner (1685–1749) bestaunen. Der Maler hatte von Christian Ludwig den Auftrag erhalten, den Hofstaat zu porträtieren. Er zeichnete die Köpfe detailreich und vermied, entgegen damaligen Gepflogenheiten, stereotype Gesichtsausdrucke.
Weil es üblich war, mit Kleidung und Schmuck den herausragenden Stand eines Porträtierten hervorzuheben, hatte Denner Hilfe in seiner Werkstatt. Seine beiden Töchter sollten die Gemälde komplettieren. Doch die eine starb früh, die andere konnte sich gut verheiraten. So blieben viele Bilder unvollendet. Die Geschichte des Schlosses geht ins 18. Jahrhundert zurück. Christian Ludwig war es, der ab 1724 in dem Dorf Klenow ein Jagdhaus errichten ließ. Von 1731 bis 1735 wurde es nach den Entwürfen von Johann Friedrich Künnecke zu einer Sommerresidenz umgebaut. 1754 erfolgte die Umbenennung des Dorfes in Ludwigslust.
1772 beauftragte Herzog Friedrich seinen Hofbaumeister Johann Joachim Busch (1720–1802) mit dem Schlossneubau, der schon nach vier Jahren abgeschlossen war. Zeitgleich begann der großzügige Ausbau der Residenz samt einer auf dem Reißbrett entworfenen Stadtanlage.

Ein Nashorn und kleine Kunstwerke aus Kork

Für die künftige museale Nutzung des Schlosses wurde von dem Baseler Gestaltungsbüro Gillmann und Schnegg ein umfangreiches Konzept erarbeitet. „Im Zentrum steht der Gedanke, hier das Leben der Herrschaften und ihrer Bediensteten zu beleuchten“, betont Peter Krohn. „Das Residieren und die Sammelleidenschaft der Herzöge sind zentrale Punkte. 17 neue Räume kommen dazu.“
Im ersten Obergeschoss werden rechts und links vom Goldenen Saal die Wohnräume des Herzogs im Ostflügel und seiner Gattin im Westflügel zu sehen sein.
Im zweiten Obergeschoss findet der Besucher künftig die Ausstellungen mit der Oudry-Menagerie, im Mittelpunkt das riesige Nashorn-Gemälde. Auch die Korkmodelle aus der Werkstatt von Carl May finden einen würdigen Platz. Diese kleinen Kunstwerke aus Kork wurden lange Zeit völlig unterschätzt, sagt Peter Krohn. Im 18. Jahrhundert war die Herstellung von Modellen bekannter antiker Bauwerke in Rom ein verbreitetes Handwerk. Die Modelle waren als Reiseandenken sehr beliebt.
Carl May, um 1790 Hofkonditor in Aschaffenburg, hatte die Idee, statt der vergänglichen Tafeldekorationen aus Zuckerguss oder Marzipan seine Korkmodelle als festlichen Schmuck auf die fürstlichen Prunktafeln zu stellen. Daraus wurde ein lukratives Geschäft, viele Adlige wollten solche Korkmodelle besitzen. Nach Aschaffenburg befindet sich die zweitgrößte Sammlung im Schloss Ludwigslust. Das Schloss bietet nicht nur ein sehenswertes Museum. Es steht im Lauf des Jahres im Mittelpunkt diverser Festlichkeiten.

www.schloss-ludwigslust.de
 

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