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„Aus Liebe“ – eine mörderische ragödie

Wien.Wieso wird ein nach außen hin unauffälliger und glücklicher Mann zum Axtmörder seiner eigenen Familie? Der österreichische Dramatiker Peter Turrini (68) geht dieser Frage in seinem neuesten Stück „Aus Liebe“ nach. Die Produktion feierte in Wien Uraufführung.
Gleich zu Beginn steht der Hauptdarsteller (Ulrich Reinthaller) vor den Scherben seiner Ehe. Der Parlamentsmitarbeiter nimmt die verzweifelten Gesprächsversuche seiner Frau (Sandra Cervik) kalt und scheinbar emotionslos auf. Im weiteren Verlauf des Tages lässt er niemanden an seiner Gefühlswelt teilhaben. Er redet kaum. Doch die Mordlust steigt in dem Mann unaufhaltbar – bis es zum Ausbruch kommt.
Der Mann stellt sich nach seiner Tat völlig gefasst selbst der Polizei. Der zuständige Beamte mit Burn-Out-Syndrom interessiert sich mehr für seinen Beruf, als für seine Tat. „Aus Liebe“ habe er seine Frau getötet, sagt der Mann. Erst zum Schluss, als der Mord an seiner Tochter (Annika Borde) zur Sprache kommt, erleidet er einen Zusammenbruch.
Turrini zeichnet in seinem Werk eine triste Gesellschaft, die nur auf ihre eigenen Probleme fixiert ist. Blind für ihre Umgebung. Die verzweifelten Rufe, der von verschiedensten Ängsten getriebenen Protagonisten, verhallen ungehört. Die dabei provozierten Lacher blieben dem Publikum im Halse stecken. Turrini will mit seinem Stück keine Lösungen anbieten, sondern zum Nachdenken anregen und das Bewusstsein schärfen.

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