
| Film/Kino |
von Redaktion
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Am 12. Februar jährt sich der erste Drehtag in den Babelsberger Filmstudios zum 100. Mal. Eine wechselvolle Geschichte haben die Ateliers seitdem erlebt - von den „goldenen Zwanzigern“ und den Anfangszeiten des Films über die Vereinnahmung durch die Nazis. Die Studios waren Standort des volkseigenen DDR-Filmunternehmens DEFA, auch wurden dort Hollywood-Produktionen wie „Inglourious Basterds“ gedreht.
Kaum einer kennt sich mit der Babelsberger Filmgeschichte so gut aus wie Ulrich Illing. Seit 1970 arbeitet der gelernte Toningenieur in den Studios und hat sich über die Jahre eine beachtliche Sammlung historischer Filmutensilien angeschafft. Sein kleines Tonfilm-Museum hat sich der 66-Jährige in einem Büro auf dem Studiogelände eingerichtet.
Erste Tonfilme riefen Proteste hervor
Unzählige Apparate stehen herum, an den Wänden hängen Filmplakate, Zitate oder historische Fotos. „Ich habe den Ehrgeiz, dass alle Geräte funktionieren“, sagt Illing stolz. Zum Beispiel der alte Filmprojektor vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Während Illing an dem Gerät steht und kurbelt, lässt er am anderen Endes des Raums eine Schellackplatte auf einem Grammophon laufen. „So wurden anfangs Tonfilme gemacht“, sagt er und lacht.
Als es den Tüftlern in den 1920er Jahren dann erstmals gelang, Ton und Bild auf einen Film zu bringen und beides gleichzeitig abzuspielen, war der Widerstand der Stummfilmindustrie zunächst groß. „Die Orchestermitglieder und Film-Erklärer fürchteten um ihre Jobs“, sagt Illing. Auch Charlie Chaplin gehörte zu den Kritikern. Er fürchtete, der Tonfilm zerstöre „die älteste Kunst der Welt, die Kunst der Pantomime“. Dennoch wurde der Tonfilm weiterentwickelt und boomte kurz darauf in den USA. Der Film „The Jazz Singer“ 1927 war ein großer Erfolg. „Alle pfiffen auf einmal 'Sonny Boy'“, sagt Illing. Da musste die Ufa natürlich reagieren und brachte 1929 mit „Melodie des Herzens“ den ersten deutschen Tonfilm heraus.
Bild und Ton wurden gleichzeitig aufgenommen
Illing drückt ein paar Knöpfe an seinem Schneidetisch und zeigt einen Ausschnitt aus der „Militärklamotte“, wie er den Film nennt. „Damals wurde der Ton noch parallel zum Bild aufgenommen, deshalb mussten alle Nebengeräusche vermieden werden und die Schauspieler möglichst laut und deutlich sprechen“, sagt er. Das erkläre auch, warum Willy Fritsch seine Filmpartnerin Dita Parlo derart anbrüllt, als er sie zum Tanzen auffordert. Wenige Jahre später kamen die Nazis an die Macht. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte die Babelsberger Studios für seine Zwecke und ließ dort beispielsweise den antisemitischen Film „Jud Süß“ drehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsch-sowjetische Aktiengesellschaft „DEFA“ - Deutsche Film AG - gegründet, die bis zur Wende bestehen sollte. 1970 kam Illing zunächst als Wartungsingenieur zu den Filmstudios und arbeitete sich dann bis zum Abteilungsleiter der Tontechnik hoch. Der 66-Jährige erinnert sich gern an jene Zeit. „Zu DEFA-Zeiten herrschte hier quirliges Leben“, erinnert er sich. Heute geht es hingegen manchmal recht beschaulich zu auf dem Gelände der weltweit bekannten Studios.
Fest angestellt sind nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden von Studio Babelsberg, Carl Woebcken, nur noch 90 Mitarbeiter. Wird gerade kein Film gedreht, sind auch nicht viel mehr Menschen zu sehen. Insgesamt entstehen heute rund 15 Filme jährlich in Babelsberg. Aktiv dabei ist Ulrich Illing seit 2005 nicht mehr. Er hat noch einen „Beratervertrag“, wie er erzählt. Ab und zu führt er Studenten oder Gäste der Babelsberger Studios durch sein kleines Museum. Gerade jetzt, zum Jubiläum, sei das Interesse besonders groß, erzählt er.
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